ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1998Zypern: Willkommen auf der Insel der Aphrodite

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Zypern: Willkommen auf der Insel der Aphrodite

Dtsch Arztebl 1998; 95(18): A-1116 / B-948 / C-891

Amann, Erika

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LNSLNS Auf Zypern, der sonnenreichsten Ägäis-Insel, zeichnet sich ein neuer Ferien-Trend ab, der immer mehr Anhänger findet: Er führt von den großen Strandresorts Limassol, Larnaca, Aya Napa und Paphos direkt ins grüne Herz von Zypern. Paphos verfügt über einen eigenen Flughafen, der von Cyprus Airways ab Deutschland nonstop angeflogen wird. Auf gut ausgeschilderten Pfaden werden Wanderer zum Hobby-Botaniker: auf der von Legenden umwobenen Akamas-Halbinsel und rund um den 1951 Meter hohen Troodos-Gipfel. Aber nicht nur wilde Orchideen, Steinrosen und seltene Wolfsmilchgewächse locken zu Entdeckertouren auf Schusters Rappen. Es warten an der Akamas-Küste ebenso versteckte Badeplätze und an den grünen Hängen des Troodos-Gebirges "Krasochoria", malerische Weindörfer, und Jahrhunderte alte byzantinische Klöster und Kirchen. Im Rucksack ist neben Bikini und Wasserflasche noch Platz für saftige, direkt vom Baum gepflückte Orangen. Maroula heißt die rotbäckige Bäuerin, bei der wir kaufen. Sie stammt aus dem nahen Dörfchen Latchi. Hier wird Tourismus mit Pensionen und Appartements noch kleingeschrieben, ebenso im Nachbardorf Polis, das in der Antike wichtigster Erz-Ausfuhrhafen (Kupfer) namens Marion war. Maroula hat sich mit ihrem selbstgebastelten Orangenstand geschickt an der Abzweigung postiert. Nagelneu sind die exklusiven Fünf-sternesuiten "Anassa" bei Neo Chorion. Geradeaus führt der Weg auf den "Adonis-Wanderkurs" und linker Hand zu den "Bädern der Aphrodite". Die gelben Senfblüten am Wegesrand sind mächtig ins Kraut geschossen, ein Kontrast zu den silbrig-grünen Blättern knorriger Olivenbäume und zu den dunkelgrünen Blätterdächern der Johannisbrotbäume. Endlich ist die sanft plätschernde Quelle erreicht, die sich aus dem Dickicht in einen kleinen Badesee ergießt. Miriam, unsere legendenkundige Wanderführerin, weiß natürlich warum: "Hier", so erzählt sie, "traf sich einst die Göttin mit Adonis, ihrem schönen Liebhaber. Aber auf der Jagd wurde er von einem Eber getötet und in der Unterwelt mit Persephone verheiratet. Aphrodites tiefe Trauer rührte Göttervater Zeus endlich so sehr, daß Adonis nur die vier Wintermonate bei der Herrin des Hades bleiben mußte. Den sonnigen Sommer durfte er mit seiner geliebten Aphrodite verbringen." Eine sehr individuelle Werbung aus Göttermund für den gut acht Monate langen Badesommer auf Zypern.
Wanderwege der Natur
Die Insel, die von Afrika, Europa und Asien regelrecht umarmt wird, bringt besonders viele Pflanzenarten hervor: Dank Lage und Klima 530 allein im Naturschutzpark der Akamas-Halbinsel - und 33 davon sind endemisch. Deshalb hat man die beiden Wanderbüchlein "Wanderwege der Natur in Akamas sowie auf Troodos" (erhältlich beim Zypriotischen Fremdenverkehrsamt, Kaiserstraße 50, 60329 Frankfurt) botanisch aufgebaut: Die interessantesten Pflanzen von der Troodos-Katzenminze über Johanniskraut, viele OrchideenArten, Wacholder und wilden Quittenbaum bis zur schwar-zen Pinie sind unter einem Nummernschlüssel aufgeführt, der sich unterwegs auf den Schildern entsprechend wiederholt. Jetzt im Frühling duften zarte Macchia-Röschen, Oregano, Salbei und Thymian wild durcheinander. Die Sonne scheint so kräftig, daß jeder beim Aufstieg auf die Berge entlang der Küste ins Schwitzen kommt und immer länger und öfter die Aussicht auf die tintenblaue Ägäis genießt oder im Schatten breitkroniger Aleppo-Kiefern rastet und sich darauf freut, in der blauen Bucht von Chrysochou in die Fluten zu springen, dort, wo schon Aphrodite mit Vorliebe schwamm.
Oder der Badestopp ist erst am kieseligen Strand von Latchi angesagt. Das macht noch mehr Appetit auf die köstliche Fisch-Meze mit Bauernwein, die der Wirt Nestor in seiner traditionsreichen "Porto Latchi-Taverne" zubereitet (Portion mit circa 20 verschiedenen Fischgerichten und Wein rund 30 DM). Das Haus aus robusten Natursteinen diente vorher jahrhundertelang als Lagerhaus für Johannisbrotfrüchte. Kerne dieser Früchte wurden in der Antike sogar als Goldwaage benutzt: ein Kern gleich ein Karat Gold.
Oben auf dem Chionistra-Gipfel, dem Schneeberg, wie die Einheimischen ihren höchsten Troodos-Berg (1 951 m) nennen, schloß der Ski-Club von Zypern diesmal schon Mitte März seine Pforte wegen Schneemangels für die vier Liftstrecken hinunter ins Sun Valley. Der Weg zum KaledonianWasserfall entlang dem Kyros Potamos, dem kalten Fluß, über Steinformationen, groß wie Findlinge zwischen Baumriesen, die von Efeu und bizarren Moosarten umschlungen werden, ist schon so weit abgetrocknet, daß er gut begehbar ist. Nur die Nachtigallen singen noch nicht. Sie kommen erst später, wie die meisten Gäste. Im Troodos ist selbst im Hochsommer noch Wanderzeit im Schatten der dichten Pinienwälder. Dann geht es lebhaft zu in Platres, dem größten Troodos-Dorf auf circa 1 550 Metern Höhe mit so gemütlichen Dreisternehotels wie dem Pendeli, das im Winter über Dampfheizung und im Sommer über ein Schwimmbad im Freien verfügt. Ausgerechnet in Platres wurde der beliebte "Brandy sour" erfunden vom ehemaligen Promi-Gast König Faruk. Der Herrscher von Ägypten ließ sich als Muselmane seine Zitronenlimonade ganz diskret mit einem kräftigen Schuß mildem zypriotischen Brandy aufbessern. Den "sauren Brandy" fanden auch andere Gäste lecker - er machte weltweit Karriere. Wir steuern Trooditissa, das Kloster der Madonna von Troodos, an. Doch das Glück ist uns nicht hold. Schon von weitem hören wir die Mönche singen: Sie sind bei ihrer Nachmittagsandacht und haben keine Zeit, uns zu empfangen, um uns den Fruchtbarkeitsgürtel zu zeigen, der in einem eigenen Schrein verwahrt wird. Einheimische Frauen mit Nachwuchsproblemen wallfahrten hierher, um sich den juwelengeschmückten Gürtel der Mutter Gottes umlegen zu lassen. Er verfehlt wohl seine Wirkung nicht - das zeigen die vielen kostbaren Votivgaben der glücklichen Mütter.
Troodos-Hänge
Zu den schönsten und größten "Krasochoria", Weindörfern, zählt an den Troodos-Hängen Omodhos. Am Ende des Dorfplatzes mit seinen Kafeneions und Souvenirläden steht ein ehrwürdiges Kloster, das dem Heiligen Kreuz geweiht ist. In schmalen Gassen schmiegen sich kleine Häuschen eng aneinander. Hier hat der neue Agros-Tourismus schon Einzug gehalten. Bäuerliche Anwesen, die ein paar Fremdenzimmer mit Dusche/WCKomfort und Familienkontakt anbieten möchten, um ihr schmales Einkommen aufzubessern, werden von einer eigenen Organisation der EU finanziell unterstützt.
Beim Stichwort Wein darf der als "König der Klosterweine" apostrophierte Mönch Dyonisios aus dem Kloster "Unserer lieben Frau vom goldenen Granatapfel" (Chrysoroyiatissa) mit seiner erfolgreichen Kellerei nicht fehlen. Er produziert den Weißwein Aghios Andronikos und den roten Elias-Wein. Der
alte Herr ist voller Tatendrang. Nebenher restauriert er mit viel Geschmack alte Ikonen. In den sanfthügeligen, stillen Gebirgsausläufern, nur
fünfzehn Kilometer von der Strandmetropole Paphos entfernt, eröffnete 1994 der erste zypriotische 18-LochGolfclub. Auf 550 Meter Höhe liegt der von Donald Steel gestaltete 72-Par-Platz, gesäumt von Mandel- und Pfirsich-Plantagen und von Weinfeldern. Stelios Patsalides, der deutschsprechende Leiter der Anlage, freut sich über deutsche Golfgäste. Ein Handicap müssen sie allerdings vorweisen (greenfee 70 DM pro Tag). Urlauber wohnen am liebsten in den Komfort-Hotels am Strand, die für ihre am Golfspiel interessierten Gäste entsprechende Pakete anbieten (zum Beispiel Jahn-Reisen). Auch im Tsada Golf Club hat die Kirche die Hand mit im Spiel. Der Grund gehört zum Kloster Stavrositis Mithis, das mitten auf dem Golfplatz liegt. Viele Golfer legen am Loch 9 eine Pause ein, um mit dem freundlichen Padre Barnabas zu plaudern. Der Mönch versorgt sich und seine Klosterkirche ganz allein. Er beschäftigt sich am liebsten mit seinem Gemüsegarten, den Blumenbeeten und seinem Hühnerhof.
Erika Amann
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