ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2011Lokalisiertes Prostatakarzinom: Kurze Hormontherapie erhöht Bestrahlungseffekte

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Lokalisiertes Prostatakarzinom: Kurze Hormontherapie erhöht Bestrahlungseffekte

Gulden, Josef

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Ob die kurzfristige Androgen-Deprivation zusätzlich zur Strahlentherapie beim lokalisierten Prostatakarzinom mit niedrigem oder intermediärem Risiko einen Nutzen bringt, war bislang unklar. Die US-amerikanische Radiation Therapy Oncology Group (RTOG) präsentiert dazu eine Phase-III-Studie, in die insgesamt 1 979 Patienten mit Tumoren der Stadien zwischen T1b und T2b und einem PSA-Wert von höchstens 20 ng/ml eingeschlossen wurden. Sie erhielten randomisiert entweder nur Radiatio (66,6 Gy) oder zusätzlich eine viermonatige Hormontherapie (Flutamid dreimal täglich 250 mg und monatlich entweder 3,6 mg Goserelin s. c. oder 7,5 mg Leuprolid i. m.), die 2 Monate vor der Bestrahlung begann.

Beim Gesamtüberleben unterschieden sich beide Arme nach 10 Jahren signifikant: Unter Hormontherapie lebten noch 62 %, im Kontrollarm lediglich 57 % der Patienten (Hazard Ratio für Tod mit Radiotherapie alleine 1,17; p = 0,03). Die krankheitsspezifische Mortalität nach 10 Jahren wurde von 8 auf 4 % halbiert (HR 1,87; p = 0,001). Auch die Risiken für PSA-Anstieg, Fernmetastasen und einen positiven Biopsie-Befund nach 2 Jahren wurden durch die Androgen-Deprivation signifikant reduziert. Bei weniger als 5 % der Patienten traten hormonbedingte Toxizitäten vom Grad 3 oder höher auf, die Inzidenz akuter und später Strahlentoxizitäten war vergleichbar. Die Number-needed-to-treat bezüglich des Gesamtüberlebens nach 10 Jahren betrug bei intermediärem Risiko 14, bei niedrigem Risiko hatte die Hormontherapie keinen Vorteil.

Fazit: Anders als bei Patienten, die in kurativer Intention operiert werden und für die man im Anschluss meist auf eine Hormontherapie verzichten kann, stellt für Patienten mit intermediärem Risiko, die sich für eine externe Strahlentherapie entscheiden, die Kombination mit einem befristeten Hormonentzug eine Option dar, die Gesamt- und krankheitsspezifisches Überleben verlängern kann, so Prof. Dr. med. Jürgen Gschwend (München). Dies habe auch Berücksichtigung in der S3-Leitlinie Prostatakarzinom für die Therapie von Patienten mit intermediärem oder hohem Risikoprofil gefunden. Beim intermediären Risiko könne man alternativ die Strahlendosis erhöhen. Moderne Bestrahlungstechniken könnten möglicherweise genauso wirksam sein wie die Kombination mit einer endokrinen Behandlung. Josef Gulden

Jones CU, et al.: Radiotherapy and short-term androgen deprivation for localized prostate cancer. NEJM 2011; 365: 107–18.

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