ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2011Demografie: Der Vorbehalt
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Das schöne Beatles-Lied beschreibt gewiss nicht den demografischen Wandel, sondern erzählt von voll im Leben stehenden angehenden älteren Menschen („sunday mornings go for a ride“). Es ist sogar ein Liebeslied, mit all den Erwartungen, die man in den späten 60ern hatte, als das Lied geschrieben wurde.

Insofern ist Heinz Stüwes Beitrag noch einmal anders ein Zeugnis über den demografischen Wandel, als er es vermutlich angedacht hat. Es gibt nämlich auch einen Wandel des demografischen Wandels in unseren Köpfen („indicate precisely, what you mean to say“). Wollen wir wirklich nicht mehr sixty-four werden, um valentines gesendet zu bekommen, sondern fürchten eighty-four zu werden, ohne dass die AOK noch Geld für unsere Pampers hat („ . . . if it’s not too dear“)? Das hat durchaus paranoide Züge und wird zu allem Überfluss auch noch zweifelhaft pseudo-statistisch untermauert. Sollte diese Art der Zukunftsangst aber seitens der Ärzteschaft auch noch geschürt werden? . . .

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Die McCartney’sche Idee des Älterwerdens ist nicht nur sympathischer, sondern sie trifft auch mehr zu. Man sieht zunehmend mehr 84-Jährige auf Kreuzfahrtschiffen und in den Flugzeugen nach Mallorca („every summer we could rent a cottage in the Isle of Wight“). Es fehlen möglicherweise keine Pflegekräfte, sondern Animateure! Also doch: when und nicht if I’m sixty-four.

Ich sage mal einfach so, Prof. Wille demontiert sich als Sachverständiger, wenn er die mittleren Annahmen des Jahres 2006 weiterschreibt bis 2050. Ich gehe natürlich davon aus, dass der Vorsitzendes des Sachverständigenrates das auch weiß. Die Alterspyramide lehrt uns vielmehr, dass in den letzten hundert Jahren keine Voraussage zu keinem Zeitpunkt länger Bestand gehabt hatte als maximal 15 Jahre – das ist kein Konditional, sondern Plusquamperfekt, und damit Fakt („who could ask for more“) . . .

Kein Mensch weiß, was der Exodus der deutschen Studenten und die Völkerflucht in Afrika uns bringen werden. Keiner weiß, ob Deutschland nicht morgen das Gegenteil von dem sein wird, was es heute ist, nämlich ein kinderfreundliches („grandchildren on your knee“) Einwanderungsland. Weil das nachweislich so ist, ist der statistisch einzig zulässige Schluss der Vorbehalt . . .

Dr. Karlheinz Bayer, 77740 Bad Peterstal

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