ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2011Quo vadis Techniker Krankenkasse?
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Noch im Januar veröffentlichte die Techniker Krankenkasse (TKK) im Einklang mit dem VDE (Verband der Ersatzkassen) und der KV-Nordrhein eine gemeinsame Presseerklärung bezüglich der guten Qualität der Disease-Management-Programme (DMP) in Nordrhein und des daraus gewonnenen Nutzens für die teilnehmenden Patienten.

Jetzt erscheint eine Originalarbeit „Nutzen und Effizienz des Disease-Management-Programms Diabetes mellitus Typ 2“, eingereicht beim Deutschen Ärzteblatt am 29. 7. 2010 und veröffentlicht in der Ausgabe vom 11. 3. 2011. Die Arbeit stellte als Kernpunkt heraus, dass ein medizinischer Nutzen durch die DMP-Teilnahme nicht klar erkennbar ist.

Betrachtet man diese Originalarbeit etwas näher fallen multiple Unstimmigkeiten auf, die eine Aussagekraft der Arbeit beträchtlich einschränken. Sinnvoll ist gewiss eine prospektive Analyse über mehrere Jahre/Jahrzehnte und nicht eine retrospektive Analyse über zwei Jahre (2007/2008). Auch das Ausschlusskriterium einer Einschreibung des Patienten in ein weiteres DMP wirft Fragen auf.

Neben sogenannten harten Endpunkten wurden das Neuauftreten typischer Begleiterkrankungen erfasst und Behandlungserfolge in Bezug auf die Einhaltung von Normwerten zur Beurteilung herangezogen.

Diesbezüglich ist der Beobachtungszeitraum natürlich nicht ausreichend und das Heranziehen der Einhaltung von Normwerten stellt ein nutzloses Widerspiegeln von Surrogatparametern dar. Harte Endpunkte bezüglich der Mortalität über einen langen Beobachtungszeitraum wären hier zu fordern.

Obwohl, wie schon von den Autoren selbst zitiert, die statistischen Tests (Chi-Quadrat-Test und Mann-Whitney-U-Test) nicht gültig in ihrer Anwendung nach dem sogenannten Matching sind, wurden diese doch zur Einschätzung der Ergebnisse herangezogen.

Der Sinn und Zweck dieser Veröffentlichung bleibt spekulativ und scheint mir keinem medizinischen Nutzen zu dienen. Wäre die Techniker Krankenkasse konsequent, müsste sie eigentlich ihre Teilnahme am DMP Diabetes Typ 2 kündigen, würde möglicherweise jedoch durch das Beschneiden von Präventivleistungen in den Augen der Versicherten ihr Gesicht verlieren.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0721a

Dr. med. Gerhard Heinsch

Haan

heinschg@aol.com

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Linder R, Ahrens S, Köppel D, Heilmann T, Verheyen F: The benefit and efficiency of the disease management program for type 2 diabetes. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(10): 155–62. VOLLTEXT
1.Linder R, Ahrens S, Köppel D, Heilmann T, Verheyen F: The benefit and efficiency of the disease management program for type 2 diabetes. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(10): 155–62. VOLLTEXT

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