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Disease-Management-Programme (DMP) stellen komplexe Interventionen dar, und wie alle medizinischen Interventionen sollten sie vor einer breiten Implementierung im Gesundheitswesen adäquat wissenschaftlich evaluiert werden, damit ihre positiven und negativen Effekte bekannt sind und bei der Behandlung der Patienten berücksichtigt werden können. Weil sich die Patienten, die in ein DMP aufgenommen werden, von denjenigen, die aus welchen Gründen auch immer nicht daran teilnehmen, allein schon aufgrund der gesetzlichen Vorgaben unterscheiden müssen, kann eine Evaluation der DMP-Effekte zuverlässig nur in einer prospektiven randomisierten kontrollierten Studie (RCT) erfolgen. Leider war es trotz vorliegender Konzepte und Studienprotokolle für die Verantwortlichen nicht möglich, die Einführung der DMPs im Jahr 2002 so zu gestalten, dass sie von einer solchen validen Evaluation begleitet werden. Linder et al. versuchen nun, mit dem methodischen Konzept des Propensity-Score-Ansatzes Effekte des DMP Diabetes mellitus Typ 2 zu beschreiben (1). Dies misslingt aber, weil die Vergleichsparameter zwischen der Interventionsgruppe und der Kontrollgruppe nicht fair verteilt sind. Die Methode der retrospektiven Kontrollgruppenbildung ist anfällig für den sogenannten „sponsor bias“, bei dem die Ergebnisse einer Studie bewusst oder unbewusst in die vom Sponsor gewünschte Richtung verzerrt werden (2). Da eine prospektive Evaluation der DMPs im Rahmen eines RCT wohl nicht mehr erfolgen wird, werden auch zukünftige DMP-Evaluationen verzerrungsanfällige Methoden anwenden müssen. Um hier den „sponsor bias“ zu minimieren, sollten solche Evaluationen gemeinsam von Krankenkassen, die an einem „positiven“ Ergebnis und Krankenkassen, die an einem „negativen“ Ergebnis interessiert sind, getragen und von einer unabhängigen Stelle durchgeführt werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0721c

Prof. Dr. med. Peter T. Sawicki

Universitätsklinik Köln

Institut für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie (IGKE), Köln

peter.sawicki@uk-koeln.de

Interessenkonflikt

Prof. Sawicki war an der Entwicklung des DMP Typ-2-Diabetes und an der Erstellung des RCT-Studienprotokolls beteiligt.

1.
Linder R, Ahrens S, Köppel D, Heilmann T, Verheyen F: The benefit and efficiency of the disease management program for type 2 diabetes. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(10): 155–62. VOLLTEXT
2.
Bekelman JE, MPhil YL, Gross CP: Scope and impact of financial conflicts of interest in biomedical research. JAMA 2003, 289: 454–65. CrossRef MEDLINE
1.Linder R, Ahrens S, Köppel D, Heilmann T, Verheyen F: The benefit and efficiency of the disease management program for type 2 diabetes. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(10): 155–62. VOLLTEXT
2.Bekelman JE, MPhil YL, Gross CP: Scope and impact of financial conflicts of interest in biomedical research. JAMA 2003, 289: 454–65. CrossRef MEDLINE

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