ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2011Kollektiv nicht repräsentativ
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Linder et al. vergleichen in das DMP Diabetes mellitus Typ 2 eingeschriebene und nicht eingeschriebene TK-Versicherte. Aufgrund ähnlicher Befunde im Verlauf in beiden Kollektiven folgern sie, das DMP sei wenig effektiv, ineffizient und in seiner vorliegenden Form nicht sinnvoll. Dies ist aus der Darstellung nicht abzuleiten. Zur Kritik an methodischen Einzelheiten fehlt hier leider der Raum. Andere Kassenarten kamen mit vergleichbarer Methodik zu umgekehrten Schlussfolgerungen (Stock et al., 2010).

Linder et al. kritisieren, dass der DMP-Qualitätsbericht der KV Nordrhein die Programme nicht angemessen evaluiere. Aufgabe dieses Berichts ist es aber, transparent und detailliert aufzuzeigen, inwieweit für die in die DMP eingeschriebenen Versicherten in der Region die gesetzten Ziele tatsächlich erreicht werden. Die analoge Kritik gegenüber der ELSID-Studie ist unberechtigt, weil ELSID die derzeit methodisch anspruchsvollste, prospektive kontrollgruppenbasierte Studie zur medizinischen Effektivität, den gesundheitsbezogenen Kosten und der Lebensqualität von Typ-2-Diabetikern in Deutschland ist.

Ob die TK-Studie repräsentativ für die Gesamtheit der Typ-2-Diabetiker ist, erscheint nach den Erfahrungen aus Nordrhein fraglich. Hiernach sind TK-Versicherte jünger als der Durchschnitt aller anderen eingeschriebenen DMP-Teilnehmer und überwiegend männlichen Geschlechts, sie leiden zu Beginn wie im Laufe ihrer DMP-Teilnahme deutlich seltener an Folgekomplikationen und weisen kontinuierlich eine deutlich bessere Stoffwechsel- und Blutdruckeinstellung auf als die anderen eingeschriebenen Diabetiker.

Für belastbare, verallgemeinerbare Aussagen müssten deshalb:

  • TK-Versicherte hinsichtlich ihrer spezifischen Merkmale und Ausgangslage mit Nicht-TK-Versicherten gematcht,
  • die Beobachtungszeit über den Zeitrahmen der Studie hinaus erweitert (hier wurden maximal zwei Jahre betrachtet) und
  • die Häufigkeiten einzelner Endpunkte ebenso wie ambulante und stationäre Kosten in zusätzlichen Tabellen numerisch ausgewiesen werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0722

Dr. rer. soc. Lutz Altenhofen

Dr. phil. Bernd Hagen

Dipl. Psych. Jens Kretschmann

Dr. rer. nat. Sabine Groos

Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung

in der Bundesrepublik Deutschland

DMP Projektbüro (ZI), Köln

LAltenhofen@zi-berlin.de

Dr. rer. pol. Dominik Graf von Stillfried

Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung, Berlin

Interessenkonflikt

Das DMP-Projektbüro übernimmt im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung-Nordrhein, der gesetzlichen Krankenkassen in Nordrhein Westfalen und der Krankenhausgesellschaft NRW Aufgaben der ärztlichen Qualitätssicherung des DMP in Nordrhein.

1.
Stock S, Drabik A, Büscher G, et al.: German diabetes management programs improve quality of care and curb costs. Health Aff (Millwood); 2010; 29: 2197–205. CrossRef MEDLINE
2.
Linder R, Ahrens S, Köppel D, Heilmann T, Verheyen F: The benefit and efficiency of the disease management program for type 2 diabetes. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(10): 155–62. VOLLTEXT
1.Stock S, Drabik A, Büscher G, et al.: German diabetes management programs improve quality of care and curb costs. Health Aff (Millwood); 2010; 29: 2197–205. CrossRef MEDLINE
2.Linder R, Ahrens S, Köppel D, Heilmann T, Verheyen F: The benefit and efficiency of the disease management program for type 2 diabetes. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(10): 155–62. VOLLTEXT

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