ArchivDeutsches Ärzteblatt3/1996Wiedereinstieg: „Gleichberechtigung“

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Wiedereinstieg: „Gleichberechtigung“

W-J, D.

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LNSLNS Ziel: Wiedereinstieg, gesucht: Halbtagsstelle in der Inneren Medizin nach neun Jahren Familienpause, in dieser Zeit Praxisvertretungen in Praxen für Allgemeinmedizin und Fortbildungen, 42 Jahre.
Folgende niederschmetternde Argumentation:
1. Sie nehmen jemandem, der es nötiger hat, die Stelle weg.
2. Einzuordnen höchstens wie ein PJler, den man nichts machen lassen darf.
3. Es können keine Nischen für Leute wie Sie geschaffen werden.
4. Gehen Sie doch in eine Rehabilitationsklinik oder eine geriatrische Abteilung.
5. Sie sind ohnehin zu alt für anstrengende Dienste.
6. Das Beste an Ihnen ist Ihre Lebenserfahrung.
7. Sie haben keine Chance auf eine Stelle.
8. Chinesen haben hier auch schon mal hospitiert, das Angebot gilt auch für Sie.
Woher nimmt ein Mann sich das Recht, eine Frau, die ihre Aufgabe für die Familie bisher ernst genommen hat, aber auch mit der ihr zur Verfügung stehenden Zeit und ihren Möglichkeiten versucht hat, den Beruf in Reichweite zu halten, mit einem solchen Zynismus zu demütigen?
Ich habe so lange kein Problem mit dem Thema Karriere und Gleichberechtigung gehabt, bis ich Mutter wurde. Wenn man dies nicht nur als rein biologische Funktion, sondern auch als gesellschaftlich-politischen Auftrag für das Wohl der nächsten Generation versteht, befindet man sich schon auf dem Schleudersitz – aus dem Beruf heraus –, ohne es zunächst zu merken.
Solange es darum geht, individuelle Qualitäten der Frau anzuerkennen, wie Intelligenz, Durchsetzungsvermögen, Ausdauer, Kreativität etc., haben wir die Gleichberechtigung in etwa erreicht. Was zu tun bleibt, ist Rahmenbedingungen und Bewußtsein dafür zu schaffen, daß es sehr wohl Frauen gibt, die ein Hochschulstudium vorweisen können, deren einziger "Fehler" es ist, Kinder geboren zu haben, deren Erziehung sie zumindest in den ersten Jahren nicht aus der Hand gegeben haben. Fazit: Die einmal erworbene Qualifikation scheint dadurch – in den Augen der anderen – ungültig geworden zu sein. D. W-J
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