ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2011Rhön-Klinikum: Facharztmangel in Bad Neustadt

POLITIK

Rhön-Klinikum: Facharztmangel in Bad Neustadt

Dtsch Arztebl 2011; 108(42): A-2194 / B-1854 / C-1833

Protschka, Johanna

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die zur Rhön-Klinikum AG gehörende Neurologische Klinik Bad Neustadt reagiert auf einen drohenden Facharztmangel. Sie bietet weiterbildungswilligen Ärzten aus dem Ausland ein sechsmonatiges Integrationsprogramm mit Sprachkurs an.

Prof. Dr. med. Griewing (zweiter von links) und Christiane Hanshans mit erfolgreichen Teilnehmern des ersten Kurses. Foto: Rhön-Klinikum AG, Neurologische Klinik, Bad Neustadt
Prof. Dr. med. Griewing (zweiter von links) und Christiane Hanshans mit erfolgreichen Teilnehmern des ersten Kurses. Foto: Rhön-Klinikum AG, Neurologische Klinik, Bad Neustadt

Es wirkt wie ein Rundum-sorglos-Paket, das die Neurologische Klinik Bad Neustadt ausländischen Ärzten vor deren Facharztweiterbildung anbietet. Mit ihrem Modell gegen den Ärztemangel, beziehungsweise ihrem „freiwilligen Integrationsprogramm vor der Facharztweiterbildung“, wie es Prof. Dr. med. Bernd Griewing, Ärztlicher Direktor in Bad Neustadt, lieber nennt, reagiere die Klinik auf den schon jetzt spürbaren Trend eines Nachwuchsmangels. Ziel sei es, die jungen Kollegen aus dem Ausland optimal auf eine Facharztweiterbildung vorzubereiten, sagte Griewing dem Deutschen Ärzteblatt. Dabei spiele die soziale Integration eine mindestens genauso wichtige Rolle wie die fachlichen und sprachlichen Voraussetzungen für den ärztlichen Beruf. Die zehn Teilnehmer des ersten Integrationskurses, der im August endete, kommen aus Kolumbien, Libyen, Peru, Rumänien und anderen EU- oder Nicht-EU-Staaten. Sie haben vor wenigen Wochen mit ihrer Weiterbildung begonnen.

Anzeige

Ziel ist, die Teilnehmer umfassend zu integrieren

Während die Teilnehmer im Zuge des ersten Vorbereitungskurses im Klinikum Bad Neustadt hospitierten, sollten sie darüber hinaus soziale Kontakte knüpfen und die deutsche Kultur kennenlernen. Um Formalien, wie die Suche nach geeigneten Übersetzern für die einzureichenden Dokumente und das Zusammenstellen aller nötigen Unterlagen für ein späteres Arbeitsverhältnis, kümmerte sich die Koordinatorin Christiane Hanshans. „Als uns nach Ende des Kurses das B2-Zertifikat für eine ausreichende Kenntnis der deutschen Sprache vorlag, reichten wir der Regierung von Unterfranken alle Dokumente zur Prüfung ein“, erklärt sie. Ärzte, die aus Nicht-EU-Mitgliedstaaten, also sogenannten Drittstaaten kommen, erhalten nach Bundesärzteordnung eine befristete Arbeitserlaubnis. Sie ist in der Regel auf vier Jahre begrenzt und kann auf maximal sieben Jahre verlängert werden.

„Im Moment sieht es noch so aus,“ erläutert Hanshans, „ dass sich ausländische Ärzte aus Drittstaaten nach der Facharztprüfung entscheiden müssen, ob sie die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen.“ Diese ist für die Einbürgerung und den Approbationsantrag notwendig. Man wolle die Ärzte natürlich auch dauerhaft beschäftigen. Es ist der Klinikleitung sehr wichtig, zu betonen, keine billigen Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben. Alle ausländischen Ärzte in Weiterbildung arbeiteten zu denselben Konditionen wie ihre deutschen Kollegen.

Der Rhön-Konzern war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, nachdem Ärzte in den Medien eine massive Verschlechterung der Arbeitsbedingungen im Universitätsklinikum Marburg beklagten. Dies war 2006 von der Rhön-Klinikum AG übernommen worden. Kostendruck, Personalabbau in der Pflege und dadurch entstandene Überbelastungen, hätten zu einer verschlechterten Qualität der Patientenversorgung geführt. Diese Meldungen kratzen auch am Image der übrigen Kliniken des Konzerns. In Bad Neustadt macht man jedoch andere Gründe für den Nachwuchsmangel verantwortlich. Mit circa 15 000 Einwohnern ist die Stadt nicht gerade groß. Das Klinikum liegt im ländlichen Raum und konkurriert mit Standorten in Nürnberg, München und jenen im Rhein-Main-Gebiet.

Galina Dyuzheva, aus Russland, hat am Programm in Bad Neustadt teilgenommen. Die junge Ärztin ist über ein Stipendium an die Universität nach Düsseldorf gelangt. Nach dem Auslaufen des Stipendiaten-Programms, stand ihr Entschluss fest, in Deutschland ihre Facharztausbildung zur Neurologin zu absolvieren: „Ich habe dann im Zuge meiner Recherchen im Internet gesehen, dass in Bad Neustadt Ärzte gesucht werden.“ Ein Stammtisch und gemeinsame Ausflüge mit den anderen Teilnehmern und den deutschen Kollegen in die Umgebung haben ihr das Einleben erleichtert.

Ob das Programm zu einer langfristigen Standardveranstaltung wird, weiß in Bad Neustadt noch niemand zu sagen. Der zweite Kurs hat schon begonnen, und der dritte ist bereits halbvoll. Aus dem ersten Kurs haben gleichwohl zwei Teilnehmer Deutschland schon wieder den Rücken gekehrt. Der Grund: Heimweh.

Johanna Protschka

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema