ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2011Ärztliche Versorgungswerke: Die Beiträge sind abzugsfähig

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Ärztliche Versorgungswerke: Die Beiträge sind abzugsfähig

Dtsch Arztebl 2011; 108(42): A-2240 / B-1888 / C-1868

Meinel, Lars

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Die Beiträge an berufsständische Versorgungseinrichtungen können bis zu einem Höchstbetrag von 20 000 Euro als Sonderausgaben geltend gemacht werden.

Die Berücksichtigung von Vorsorgeaufwendungen ist ein sehr komplexes und diffiziles Thema bei der jährlichen Einkommensteuerveranlagung. Für etliche Steuerpflichtige stellt es ein Buch mit sieben Siegeln dar. Da durchaus Steuersparmöglichkeiten bestehen, lohnt es sich dennoch, die Grundzüge der Abzugsfähigkeit von Versicherungsaufwendungen zumindest grob zu überblicken.

Grundsätzlich gilt seit dem Jahr 2005 eine Zweiteilung der Vorsorgeaufwendungen. Neben der besonders begünstigten Basisversorgung gibt es weniger begünstigte übrige Vorsorgeaufwendungen. Seit dem Jahr 2010 wurde diese Zweiteilung in eine Dreiteilung modifiziert, weil Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge separat behandelt werden. Aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts war der Gesetzgeber gehalten, die Beiträge zur Basisversorgung der Kranken- und Pflegeversicherung in vollem Umfang zum Abzug als Sonderausgabe zuzulassen. Die übrigen Vorsorgeaufwendungen, wie Beiträge zu Haftpflicht-, Unfall- oder genau definierten Lebensversicherungen, sind hingegen nur dann abzugsfähig, wenn die Basiskranken- und die Pflegeversicherungsbeiträge die Höchstbetragsgrenzen von 2 800 Euro (Kran­ken­ver­siche­rung) beziehungsweise 1 900 Euro (Pflege) nicht ohnehin überstiegen haben. Nur der noch nicht ausgeschöpfte Differenzbetrag verbleibt für die sonstigen Vorsorgebeiträge.

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Wegen dieser Begrenzung auf enge Höchstbeträge ist die Abzugsfähigkeit der besonders begünstigten Beitragszahlungen in die Basisversorgung von besonderem Interesse für die Steuerpflichtigen. Zur Basisversorgung zählen neben Beiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung, in landwirtschaftliche Alterskassen oder in private Rürup-Verträge die Beiträge zu berufsständischen Versorgungseinrichtungen.

Die Beiträge an berufsständische Versorgungseinrichtungen zahlen vor allem Freiberufler kammerfähiger Berufe, die dadurch meist versicherungsfrei in der gesetzlichen Rentenversicherung sind. Versorgungswerke gibt es beispielsweise für Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Architekten, Rechtsanwälte oder Notare.

Die Beiträge an berufsständische Versorgungseinrichtungen können bis zu einem Höchstbetrag von 20 000 Euro (bei zusammen veranlagten Ehepaaren 40 000 Euro) als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Tatsächlich abzugsfähig ist allerdings nicht der volle Betrag, sondern ein jährlich steigender Prozentanteil des nachgewiesenen Betrages. Im Jahr 2010 beträgt dieser Anteil 70 Prozent der Beiträge, er steigert sich jährlich um zwei Prozentpunkte, bis er schließlich im Jahr 2025 die 100 Prozent erreicht. Bei rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern wird der ermittelte Betrag um den steuerfreien Arbeitgeberanteil gekürzt.

Sollte der über die Beitragsveranlagung festgelegte Jahresbeitrag an die berufsständische Versorgungseinrichtung die genannten Höchstbeträge unterschreiten, sollte eine freiwillige Aufstockung des Beitrags geprüft werden. Der Fiskus wird damit an der Erhöhung der berufsständischen Rentenansprüche entsprechend beteiligt.

Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf die Günstigerprüfung zum alten Recht vor dem Jahr 2005. Noch immer wird zur erläuterten Berechnung der abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen eine zweite Berechnung nach früheren Rechtsvorschriften vorgenommen, um festzustellen, ob diese Berechnung nicht zu einem günstigeren Ergebnis führt. In diesen Fällen wird die frühere Berechnung angewandt. Die Berechnung erfolgt seitens des Finanzamts automatisch, sollte aber bei der Wahl der Beitragshöhe durch den steuerlichen Berater entsprechend Beachtung finden.

Auch muss bedacht werden, dass die Leistungen aus berufsständischen Versorgungseinrichtungen in der Rentenphase mit einem Besteuerungsanteil der Einkommensteuer unterliegen. Der Besteuerungsanteil bestimmt sich nach dem Jahr des Rentenbeginns und steigt ähnlich dem abzugsfähigen Vorsorgeanteil jährlich an. Bei Beginn der Rentenphase im Jahr 2010 beträgt der Besteuerungsanteil 60 Prozent, im Jahr 2040 dann 100 Prozent.

Ein letzter Hinweis: Werden gezahlte Beiträge nicht erklärt, scheidet eine spätere Berücksichtigung durch Änderung eines bestandskräftigen Steuerbescheids aus. Diese Erfahrung musste ein Rechtsanwalt vor dem Finanzgericht Köln machen, als er jahrelang versehentlich nicht erklärte Beiträge nacherklärte. Darum sollte auf die Vollständigkeit der erklärten Beitragszahlungen besonderer Wert gelegt werden.

Lars Meinel, Steuerberater, Hof/Plauen

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