SCHLUSSPUNKT

Von schräg unten: Info-Bogen

Dtsch Arztebl 2011; 108(42): [72]

Böhmeke, Thomas

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Info-Bögen sind ein gutes Mittel, unsere Patienten in wohlgewägter Formulierung darauf vorzubereiten, was sie zwecks Bewältigung ihrer Erkrankung erwartet. Möglichst sollte der Text in warmherzige Worte gefasst sein, genauso gefasst sollten unsere Schutzbefohlenen auf das Kommende sein. Aktuell sollen sie auch sein, und so sitze ich hier und formuliere einen Info-Bogen für meine Patienten, die sich demnächst in stationäre Behandlung begeben müssen: „Liebe Patientin, lieber Patient! Eine stationäre Behandlungsmaßnahme ist zur Bewältigung Ihrer Erkrankung, zur Besserung Ihres Leidens erforderlich. Leider leiden auch, wie Sie sicher der aktuellen Presse entnommen haben, die Krankenhäuser. Und zwar an personellen Mangelerscheinungen, vor allen Dingen an ausreichend arbeitswütigen Assistenzärzten. Solche Assistenzärzte, wie sie Ihnen von früher in wohlwollender Erinnerung sind, die nach 30 Stunden Dienst ohne Schlaf sich hingebungsvoll um Ihre Probleme gekümmert haben, die Stunden an Ihrem Krankenbett verbrachten und allenfalls kurze Gesprächspausen für einen Sekundenschlaf verschwendeten, werden Sie kaum noch vorfinden. Vorfinden werden Sie aber Ärzte, die von Vermittlungsagenturen zur Verfügung gestellt werden, um den ordentlichen Betrieb im Krankenhaus gerade noch aufrechtzuerhalten. Diese Leihärzte kommen zum Teil von weit her, nicht nur aus dem nahen, sondern auch dem fernen Osten. Seien Sie bitte daher vorbereitet, Ihr Befinden zwecks besserer Verständigung in Polnisch, Russisch, aber auch in fernöstlich äußern zu können. Zögern Sie nicht, Angehörige mit erweiterten Sprachkenntnissen um Hilfe zu bitten. Zögern Sie aber, diese Angehörigen zwecks Vorbringung einer Beschwerde zum Chefarzt der Abteilung zu schicken. Dieser wird Ihren Unmut über den Mangel an besagten arbeitswütigen Assistenzärzten teilen und gleichsam beklagen, dass ein Ärztemangel besteht. Beklagen sollten Sie sich auch nicht bei der Verwaltung, weil diese mit dem Stopfen des Mangels beschäftigt ist. Dieses Stopfen ist eine ziemlich kostspielige Angelegenheit, da die Leihärzte ihre Künste nur über ein vielfaches Honorar der Stammbelegschaft zur Verfügung stellen. Die Stammbelegschaft wird daher verleitet, sich im Ausland über die günstigen Arbeitsbedingungen zu informieren und sich dort als Leiharzt zu verdingen, was wiederum die medizinische Versorgung durch hiesig ausgebildete Ärzte verknappt.

Ich hoffe, dass Sie nun alle Zusammenhänge zu Ihrem Wohl verinnerlicht haben, die Absence von deutschen Ärzten mit Nachsicht betrachten und wünsche Ihnen tapfer: Gesunden Sie bald!“

Dr. med. Thomas Böhmeke
ist niedergelassener Kardiologe in Gladbeck.

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