ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2011Randnotiz: Weiter im Wahn

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Randnotiz: Weiter im Wahn

Dtsch Arztebl 2011; 108(42): A-2187 / B-1847 / C-1827

Korzilius, Heike

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In den Modemetropolen sind gerade die Fashion Weeks zu Ende gegangen. Und wie im Frühjahr, so im Herbst bevölkerten in New York, Mailand und Paris junge Frauen die Laufstege, deren Body-mass-Index dem in einer afrikanischen Hungerregion entspricht. Dünne Ärmchen und spitze Schultern ragen aus Gewändern, Streichholzbeine balancieren auf Highheels. Als im vergangenen Jahr das „Magermodel“ Isabelle Caro an den Folgen ihrer Magersucht starb, war die Betroffenheit – wieder einmal – groß. Schon vor Jahren hat sich die Modebranche selbst verpflichtet, auf den Einsatz extrem dünner Models zu verzichten. Genützt hat es nichts. Stilikone kann nur werden, wer in Size Zero hineinpasst – mit Kleidergröße 36 ist man da schon moppelig. Fernsehsendungen wie „Germany’s Next Top-Model“ bekräftigen dieses Frauenbild, und Millionen Mädchen und Frauen eifern ihm nach. Die Botschaft: Dünn und schön, dann klappt auch der Rest.

Im Jahr 2004 schmiedete die Bundes­ärzte­kammer zusammen mit weiteren Akteuren eine Koalition gegen den Schönheitswahn. Anlass waren die ersten Reality-TV-Formate, in denen Frauen mit Hilfe der Schönheitschirurgie zu einem „neuen Leben“ verholfen wurde. Die Sendungen hießen „Schönheit um jeden Preis – letzte Hoffnung Skalpell“ oder „The Swan“. Heute sorgt „Extrem schön! – Endlich ein neues Leben“ bei RTL II für Quote. „Persönlichkeit ist keine Frage der Chir- urgie“, hatte Jörg-Dietrich Hoppe, Expräsident der Bundes­ärzte­kammer, 2004 gesagt. Auch keine der Schönheit, möchte man ergänzen. Die Supermodels der Fashion Week bleiben im Übrigen in den Zeitungen und Zeitschriften namenlos.

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