ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2011Herzbericht: Grosse Versorgungsunterschiede

AKTUELL: Akut

Herzbericht: Grosse Versorgungsunterschiede

Dtsch Arztebl 2011; 108(42): A-2188 / B-1848 / C-1828

Richter-Kuhlmann, Eva

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Zahl der Toten durch Herzinfarkte ist vom Jahr 2000 bis 2010 von 81,8 auf 67,9 pro 100 000 Einwohner zurückgegangen. „Diese Entwicklung ist erfreulich, da sie auf die besseren Behandlungsmöglichkeiten des Herzinfarkts und den besseren Kenntnisstand der Bevölkerung über die Symptomatik des Herzinfarkts schließen lässt“, erklärte Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung bei der Vorstellung des mittlerweile 23. Herzberichts von Dr. Ernst Bruckenberger in Berlin.

Trotz der positiven Tendenz bleiben Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach den Angaben des Statistischen Bundesamts die Todesursache Nummer eins. Auffällig sind im neuen Herzbericht für das Jahr 2010 jedoch große Unterschiede der Todesraten durch Herzinfarkt zwischen den einzelnen Bundesländern. So schwankt die Herzinfarktsterblichkeit beispielsweise zwischen Hamburg (53,5) und Sachsen-Anhalt (111,5 Gestorbene pro 100 000 Einwohner) stark. Auch in den ostdeutschen Landkreisen Jerichower Land (Sachsen-Anhalt), Uckermark (Brandenburg) sowie in Hof und Coburg (Bayern) verlaufen Infarkte viel häufiger tödlich als beispielsweise in Lübeck (Schleswig-Holstein) oder Fulda (Hessen). „Von einer gleichmäßigen Versorgungslandschaft für Patienten mit Herzerkrankungen in Deutschland kann nicht ausgegangen werden“, bestätigte Meinertz.

Versorgungsunterschiede werden im Herzbericht auch bei der Verbreitung von Herznotfallambulanzen (Chest-Pain-Units, CPUs) deutlich. Einen kausalen Zusammenhang zwischen der Angebots- und Leistungsstruktur der Region und der Herzinfarkt-Sterblichkeit konnte Bruckenberger zwar nicht nachweisen, jedoch eine Tendenz: So liegt lediglich in 27 der 84 Landkreise mit CPU die Infarktsterblichkeit höher als im Bundesdurchschnitt. Weitere Erklärungen für die Mortalitätsunterschiede könnten ihm zufolge die Altersstruktur sowie Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und Ernährungsverhalten sein. Vermeintliche Unterschiede könnten aber auch durch eine verschiedene Nomenklatur entstehen: Während ein 24-Stunden-Dienst in CPU in manchen Kliniken eine Bereitschaft vor Ort rund um die Uhr an zwei Herzplätzen bedeute, verstehe eine andere Klinik darunter nur eine CPU-Besetzung tagsüber und danach eine Rufbereitschaft. Meinertz plädierte dafür, in Regionen mit einer bislang hohen Sterbeziffer beim akuten Herzinfarkt noch mehr CPUs einzurichten. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema