ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2011Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin: Gegen den Hausärztemangel

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Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin: Gegen den Hausärztemangel

Dtsch Arztebl 2011; 108(42): A-2192 / B-1852 / C-1832

Hibbeler, Birgit

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Wie bringt man junge Mediziner dazu, Allgemeinärzte zu werden? Ein guter Ansatz ist eine strukturierte Weiterbildung. Mittlerweile gibt es fast in allen Ländern Koordinierungsstellen, die auf dem Weg zum Facharzt helfen.

Wer Hausarzt werden will, ist auf sich allein gestellt. Die Stationen auf dem Weg zum Facharzt müssen sich die jungen Ärzte selbst organisieren – oft mit großem Aufwand und Zeitverlust. In den letzten Jahren haben sich deshalb viele Weiterbildungsverbünde gegründet. Sie organisieren „Weiterbildung aus einer Hand“.

Unterschiedliche Modelle

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Die Idee der Verbundweiterbildung ist mit dem „Förderprogramm Allgemeinmedizin“ gestärkt worden. Das Programm sieht vor, auf Landesebene Koordinierungsstellen einzurichten, die die Angebote vernetzen. Darauf einigten sich Kassenärztliche Bundesvereinigung, Deutsche Krankenhausgesellschaft und Spitzenverband Bund der Krankenkassen.

Mittlerweile gibt es fast überall Koordinierungsstellen (Tabelle). Als Beteiligte sind Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) und Landeskrankenhausgesellschaften vorgesehen. In der Regel wurden ebenfalls die Ärztekammern eingebunden. Doch es existieren weitere Modelle: In Bayern ist der Hausärzteverband Vertragspartner. In Hessen hat das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt/M. die Vereinbarung mitunterzeichnet.

Dass alle an einem Strang ziehen, ist nicht selbstverständlich. So ist es etwa in Rheinland-Pfalz bisher nicht gelungen, eine Koordinierungsstelle zu gründen. Nach Angaben der dortigen KV war die Krankenhausgesellschaft nicht bereit, sich an den Kosten zu beteiligen. In Berlin beispielsweise haben KV und Kammer ohne Krankenhausgesellschaft die Koordinierungsstelle gegründet.

Streit um Zuständigkeiten

Die Assistenzärzte dürfte es kaum interessieren, wer eine Koordinierungsstelle betreibt. Für sie geht es darum, funktionierende Angebote vorzufinden. Allerdings ist es offenbar nicht überall gelungen, bestehende Strukturen gleichberechtigt einzubinden. In Baden-Württemberg zum Beispiel haben sich Kammer, KV und Krankenhausgesellschaft auf eine Koordinierungsstelle verständigt. Die medizinischen Fakultäten sind keine Vertragspartner – obwohl sie mit ihrer Verbundweiterbildung seit Jahren Pionierarbeit leisten (www.weiterbildung-allgemeinmedizin.de).

Dr. med. Christian Haffner, Junge Allgemeinmedizin Deutschland, hätte die Beteiligung der Universitäten in allen 17 KV- und Kammerregionen begrüßt. Er wünscht sich zudem, dass die Ärzte in Weiterbildung eingebunden werden. Nach seinem Eindruck ist der Erfolg der Koordinierungsstellen bisher „eher mau“. Die Angebote seien zu wenig bekannt. Tatsächlich muss man sich auf den Internetseiten vieler KVen und Kammern mühsam durchklicken, bis man auf die Koordinierungsstellen stößt.

Was Kooperation und Außendarstellung angeht, ist Thüringen vorbildlich. Beteiligt sind KV, Kammer und Landeskrankenhausgesellschaft. Aber auch das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Jena sitzt mit im Boot. Außerdem: Das Angebot ist für Interessierte einfach auffindbar. Es gibt einen eigenen Internetauftritt.

Dr. med. Birgit Hibbeler

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