ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2011Operationen: Geldmacherei auf dem Rücken der Patienten
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Wieder ein schönes Beispiel, wie Ärzte andere Kollegen diskreditieren und alle Hurra schreien . . .

Was macht denn ein Patient, der aufgrund seiner Schmerzen (und nur deshalb vertraut er sich ja einem Arzt an), des klinischen Befunds sowie Diagnostik die Empfehlung zur prothetischen Versorgung erhalten hat, nun über Internet erfährt, dass die Indikation fraglich ist? Er geht zum nächsten Kollegen. Der hat wieder eine andere Meinung, vielleicht verkauft er auch noch eine fragwürdige individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Und am Ende steht dann doch die Prothese?

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Wie kann man es für sinnvoll erachten, eine Fernberatung höherwertiger anzusehen als eine fundierte, umfangreiche Untersuchung, Befragung und Beratung. Hat ein Herr Pässler in seinen praktischen Jahren auch die Indikationen lediglich über Röntgenbilder gestellt? Er war doch sicherlich auch Ausbilder und hat seinen Schülern beigebracht, wie man Indikationen zum Wohl des Patienten stellt?

Natürlich steigen die Zahlen in der prothetischen Versorgung, aber doch nicht ausschließlich, weil die operativen Kollegen jedweden Sinn der ärztlichen Tätigkeit verloren haben und nur noch aus Profitgier agieren. Der Anspruch der Patienten ist in den letzten zehn Jahren gestiegen, jeder strebt bis ins hohe Lebensalter nach einer hohen Lebensqualität, und geht somit auch kalkulierte und offengelegte Risiken ein. Die Lebenserwartung steigt von Jahr zu Jahr, und so erhalten auch noch rüstige 90-Jährige Schulter-, Hüft- und Knieprothesen, weil sie mit den Schmerzen nicht mehr leben wollen.

Es mag einige Kollegen geben, die Indikationen großzügig stellen, aber ich bin der Meinung, das wird der Markt regeln. Im Zeitalter des Internets und der globalen Vernetzung ist der Patient nicht so unmündig und unkundig, wie wir vielleicht meinen.

Hier handelt es sich wie so häufig nur wieder um Geldmacherei auf dem Rücken der Patienten. Und wie der Medizinrechtler Dr. jur. Albrecht Wienke anmerkt, ist die Methode von Herrn Pässler berufsrechtlich, nach meiner Meinung auch berufsethisch, äußerst bedenklich.

Dr. med. Thomas Bickert, Zentrum für Orthopädie, Sportmedizin und Unfallchirurgie, 65232 Taunusstein

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