ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2011Schach: Züge mit Dr. med. Moise

SCHLUSSPUNKT

Schach: Züge mit Dr. med. Moise

Dtsch Arztebl 2011; 108(43): [80]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Als mein Bamberger Klassenkamerad Dr. med. Norbert Knoblach vor Jahren trotz seines St. Georg-Amuletts, welches bekanntlich gegen Drachen und Drachenspielende (eine aggressive Variante in der ohnehin gefährlichen Sizilianischen Verteidigung, die auf den sizilianischen Priester Pietro da Carrera im 18. Jahrhundert zurückgeht, der im Übrigen meinte, dass das Schachspiel vor dem Umgang mit zweifelhaften Frauen bewahre und man sich vor einer Partie körperlich und seelisch reinigen solle, indem man auf den Fleischgenuss verzichte und zur Beichte gehe) und überhaupt gegen angriffslustige Gegner wirksam ist, gegen Dr. med. Adrian Moise verloren hatte, war er nicht zufrieden. Doch diese Niederlage sollte sich mehr als lohnen, weil ihn dieser, obwohl Psychiater und Neurologe, auf ein beginnendes Basaliom an der Nase hinwies. „Mein Lebensretter!“ Nun, vielleicht angesichts der lokalen Natur des Basalioms etwas übertrieben, aber doch ein Indiz dafür, dass sich beim Deutschen Ärzteschachturnier oft ein reger Austausch über die Fachgrenzen hinweg ergibt. Man will wissen, wer einem da gegenübersitzt, ein Wort gibt das andere, nirgendwo kommt man so leicht ins Gespräch und in Kontakt wie bei einer unverfänglichen Schachpartie.

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Das macht(e) sich schon die bekannte Menninger-Klinik in den USA zunutze, um kontaktgestörten Kindern und Jugendlichen zu helfen. Der ungefähre Abstand von einem Meter zwischen den Spielern mit dem „Intermedium“ Schachbrett und dem „neutralen“ Schachspiel ist nicht zu nah, um sich bedrängt zu fühlen, andererseits nah genug, um miteinander in Kontakt treten zu können. Glauben Sie nicht dem Schriftsteller Max Frisch, der das Schachspiel so schätzte, weil man dabei nicht redet!

Dr. med. Moise zeigte mir auf mein Nachfragen mit Vergnügen mir seine Partie vom diesjährigen Ärzteturnier gegen Dr. med. Matthias Althaus, der ebenfalls im vorderen Drittel landete, und die zu der Diagrammstellung gehörige „Pathogenese“ (diesen Begriff werden sie bei nichtärztlichen Schachspielern sicher kein zweites Mal hören – aber warum eigentlich nicht?!).

Welcher Einschlag verhalf Dr. med. Moise als Weißem zu einem kleinen Vorteil?

Lösung:

Nach dem (Pseudo-) Springeropfer 1. Sxe5! b5 (etwas besser wäre es gewesen, auf dieses verführerische Intermezzo des Damenangriffs zu verzichten) 2. Db3 dxe5 3. d6+ Le6 4. dxe7 Dxe7 5. Dc3 waren sowohl der Turm a8 als auch der Bauer e5 angegriffen. Schwarz brachte mit 5. . . . Tf8 das wertvollere Gut in Sicherheit, konnte aber nach 6. Dxe5 die Partie langfristig nicht retten.

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