ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2011Intensivpatienten: Wann soll eine parenterale Ernährung beginnen?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Intensivpatienten: Wann soll eine parenterale Ernährung beginnen?

Dtsch Arztebl 2011; 108(43): A-2283 / B-1924 / C-1904

Heinzl, Susanne

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Die European Society of Parenteral and Enteral Nutrition empfiehlt, bei Intensivpatienten, die enteral nicht ausreichend ernährt werden können, innerhalb von 2 Tagen eine parenterale Ernährung zu beginnen, während nach US-amerikanischen und kanadischen Leitlinien damit eine Woche gewartet werden sollte. In der belgischen EPaNIC-Studie wurden Vor- und Nachteile beider Vorgehensweisen untersucht.

In der teilweise von der Firma Baxter finanziell unterstützten randomisierten, offenen Studie wurden 2 312 Patienten innerhalb von 48 Stunden und 2 328 Patienten frühestens 8 Tage nach Aufnahme auf die Intensivstation parenteral ernährt. Bei allen wurde früh auch eine enterale Ernährung begonnen und Insulin infundiert, um sie normoglykämisch zu halten. Primärer Endpunkt war die Zeitdauer, in der die Patienten intensivpflichtig waren und die Zeit, bis sie die Intensivstation verlassen konnten. Im Median waren die Patienten der späten Gruppe einen Tag kürzer auf der Intensivstation als die der frühen Gruppe. Die Wahrscheinlichkeit, die Intensivstation früher verlassen zu können, war in der späten Gruppe um 6,3 % höher (p = 0,04; Grafik). Auch traten in der späten Gruppe weniger neue Infektionen auf, Beatmung und Nierenersatztherapie waren weniger erforderlich als bei früh begonnener parenteraler Ernährung. Spät parenteral ernährte Patienten litten zwar etwas häufiger unter Hypoglykämien, waren insgesamt jedoch 2 Tage kürzer stationär als bei frühzeitiger parenteraler Ernährung.

Fazit: Die EPaNIC-Studie hat ergeben, dass bei schwer kranken Patienten mit einem Risiko für Mangelernährung eine nach 8 Tagen einsetzende parenterale Ernährung mit einer rascheren Genesung der Patienten bei weniger Komplikationen einhergeht als eine innerhalb von 48 Stunden beginnende Ernährung. Als Schwäche der Studie wird im begleitenden Editorial (2) das – notwendigerweise – offene Design bezeichnet. Zudem seien die Dosierungen der Aminosäuren niedriger gewesen als in den Leitlinien empfohlen. Die Studienautoren weisen allerdings darauf hin, dass eine in der klinischen Praxis übliche Ernährung angewandt wurde.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Casaer MP, Mesotten D, Hermans G, Wouters PJ et al.: Early versus late parenteral nutrition in critically ill patients. NEJM 2011; 365: 506–17.
  2. Ziegler T: Nutrition support in critical illness–—bridging the evidence gap. NEJM 2011; 365: 562–4.

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