ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1996„Mikropille„ und das Risiko für Herzinfarkt und venöse Thromboembolien

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„Mikropille„ und das Risiko für Herzinfarkt und venöse Thromboembolien

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LNSLNS Benutzerinnen von Kontrazeptiva der dritten Generation haben ein geringeres Herzinfarktrisiko, verglichen mit Frauen, die orale Kontrazeptiva der zweiten Generation einnehmen. Ihr Risiko, ein venöses thromboembolisches Ereignis zu erleben, ist jedoch erhöht. Dies sind die Ergebnisse von zwei internationalen Fall-Kontroll-Studien, die aus fünf europäischen Ländern zusammengetragen wurden. Das um das 1,5fache erhöhte Risiko für venöse Thromboembolien bei Frauen, deren Kontrazeptiva die künstlichen Progesteronabkömmlinge Gestoden und Desogestrel enthalten, verglichen mit dem der Benutzerinnen von Mikropillen der zweiten Generation, führte vor kurzer Zeit zu einer heftigen Diskussion in der Fach- und Laienpresse über die Verabreichung der entsprechenden Verhütungsmittel. Aufgrund dieser Ergebnisse wurde in Deutschland die Verschreibung eingeschränkt: Frauen unter 30 Jahren, die sich zum ersten Mal die "Pille" rezeptieren lassen, sollen nun keine Präparate der dritten Generation mehr erhalten.
Frauen, die gar keine hormonellen Verhütungsmittel einnehmen, haben ein vierfach geringeres Thromboembolierisiko im generellen Vergleich zu Benutzerinnen von hormonellen Kontrazeptiva. Beim Herzinfarkt schneiden die "Pillen" der dritten Generation jedoch besser ab: Das Risiko ihrer Benutzerinnen ist etwa identisch mit dem von Frauen, die nicht hormonell verhüten. Mit der Einnahme von Kontrazeptiva der zweiten Generation erhöht sich das Herzinfarktrisiko jedoch um das Zwei- bis Dreifache. Diese Ergebnisse zeigen, daß Risiken und Nutzen verschiedener Typen von oralen Kontrazeptiva nach Meinung der Autoren gründlich abgewogen werden müssen, damit Frauen sich entsprechend informiert für eine bestimmte Verhütungsmethode entscheiden können. Die Autoren geben jedoch auch zu bedenken, daß Teile der Ergebnisse aus Zwischenanalysen gewonnen wurden und daher mit Vorsicht interpretiert werden sollten. silk


Spitzer WO, Lewis MA et al (on behalf of the Transnational Research Group on Oral Contraceptives and the Health of Young Women): Third generation oral contraceptives and risk of venous thromboembolic disorders: an international case-control study. BMJ 1996, 312: 83–88.
Lewis MA, Spitzer WO et al (on behalf of the Transnational Research Group on Oral Contraceptives and the Health of Young Women): Third generation oral Contraceptives and risk of myocardial infarction: an international case-control-study. BMJ 1996, 312: 88–91.
Prof W O Spitzer, Potsdam Institute of Pharmacoepidemiology and Technology Assessment (PIPTA), OttoErich-Straße 7, 14482 Potsdam

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