ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2011Klinikmarkt: Private kaufen Private

WIRTSCHAFT

Klinikmarkt: Private kaufen Private

Dtsch Arztebl 2011; 108(44): A-2360 / B-1983

Steinert, Andrea

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Helios wird nach dem Kauf von Damp zum Marktführer. Und Asklepios ist nun Mehrheitseigner bei MediClin.

Der Konzentrationsprozess auf dem Klinikmarkt gewinnt an Fahrt: Überraschend hat am 10. Oktober die Helios-Kliniken GmbH einen Übernahmevertrag für die Damp-Gruppe unterzeichnet. Damit entsteht der mit Abstand größte deutsche Klinikverbund mit mehr als drei Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Bereits im September hatte ein zweiter Branchenriese, die Asklepios-Kliniken GmbH, seine Marktposition tüchtig ausgebaut. So erhöhte der Hamburger Klinikbetreiber seinen Anteil an der MediClin AG von 30 auf mehr als 50 Prozent.

Die Damp-Gruppe betreibt in Norddeutschland elf Kliniken mit mehr als 4 000 Betten. Im vergangenen Jahr erzielte die Damp-Gruppe ein operatives Ergebnis von 21 Millionen Euro. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Bei der Transaktion wechselten knapp 95 Prozent der Anteile den Besitzer. Der bisherige Damp-Eigentümer und Aufsichtsratsvorsitzende, Walter Wübben, habe sein Aktienpaket aus Gründen der „persönlichen Lebensplanung“ abgegeben, heißt es.

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Es geht um Marktmacht

Mit dem Kauf der Damp-Gruppe erschließt sich Helios den Markt in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg. Die Kartellbehörden müssen allerdings noch zustimmen. Um kurzfristig die Genehmigung zu erhalten, hat Helios angekündigt, eine der Damp-Kliniken direkt weiterzuverkaufen. Dabei handelt es sich um das Hanse-Klinikum Wismar, in dessen Nähe sich bereits eine Helios-Klinik befindet. Gegenüber der Presse versicherte Francesco De Meo, Vorsitzender der Helios-Geschäftsführung, Entlassungen seien bei Damp nicht geplant.

Auch bei der zweiten Mehrheitsübernahme in diesem Herbst suchte sich der Käufer ein gut aufgestelltes Unternehmen aus. Nachdem Asklepios seine Anteile bei MediClin sukzessive aufgestockt hatte, kam das weitere Engagement nicht überraschend. Asklepios kaufte sich dabei auch gleich einen neuen CEO ein. Ulrich Wandschneider, bislang Vorstandschef der MediClin AG, wechselte zum 1. November zu Asklepios. Dort übernimmt er den Vorsitz der Konzerngeschäftsführung. MediClin gilt als gesundes Unternehmen, nachdem Wandschneider es 2005 aus der Verlustzone geführt hatte. Der konjunkturanfällige Rehabereich wurde heruntergefahren. Schwerpunkt ist nun das Akut-Segment. MediClin betreibt 34 Kliniken und sieben Pflegeeinrichtungen. Im vergangenen Jahr legte das Unternehmen ein Betriebsergebnis von 16,9 Millionen Euro vor.

Mit den Übernahmen von Damp und MediClin bauen gleich zwei Klinikketten in kurzer Zeit hintereinander ihre Marktmacht aus, indem sie sich mit kleineren privaten Wettbewerbern zusammentun. Dass dies gerade jetzt passiere, sei „schon auffällig“, sagt Prof. Günter Neubauer, Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomik in München. In der Vergangenheit waren private Klinikketten vor allem dadurch aufgefallen, dass sie schwächelnde kommunale Kliniken übernahmen und dann in die schwarzen Zahlen führten.

Ein Grund für diesen Konzentrationsprozess sei der schwieriger werdende Klinikmarkt, sagt Neubauer. „Profit-Häuser reagieren da sehr sensibel.“ Zwar konnten sich die Privaten in den vergangenen Jahren auf einen Marktanteil von etwa 33 Prozent der Krankenhäuser hocharbeiten, bezogen auf die Betten liegt ihr Anteil aber „nur“ bei 17 Prozent. Verschiedene Faktoren führten dazu, dass auch die Privaten zu kämpfen hätten, sagt Neubauer. Ihr Geschäftskonzept sei auf Wachstum ausgerichtet, gleichzeitig bewegten sie sich in einem Markt mit Überkapazitäten. Zudem finden viele Behandlungen, die früher stationär ausgeführt wurden, inzwischen in den Praxen niedergelassener Ärzte statt. Übernahmen hätten den Zweck, die Schlagkraft der Kliniken in dieser Situation zu erhöhen. „Durch noch mehr Größe versucht man zum Beispiel, einen attraktiven Selektivvertrag mit einer Krankenkasse zu ergattern und sich auf diese Weise wieder besserzustellen.“

Kommunale holen auf

Dass die privaten Klinikketten überhaupt darauf angewiesen sind, sich im operativen Geschäft derart zu behaupten, liegt auch am Verkaufsverhalten der öffentlichen Hand. So ist die große Privatisierungswelle nicht eingetreten. Das Geschäftsmodell, marode Kliniken auf Vordermann zu bringen und auf diese Weise hohe Gewinne zu erzielen, hat die Klinikketten zwar zu stattlicher Größe heranwachsen lassen, schwächelt aber seit einigen Jahren.

Der große Ausverkauf sei dabei auch für die Zukunft nicht zu erwarten, meint Stefan Viering, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die große Privatisierungswelle noch kommt.“ Dafür seien Krankenhausverkäufe an private Träger in der Bevölkerung zu unbeliebt. Hinzu kommt, dass sich viele kommunale Krankenhäuser in den vergangenen Jahren professionalisiert haben. Das mindert den Verkaufsdruck.

Andrea Steinert

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