ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2011Risiko venöser Thromboembolien
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In dem Beitrag von Wiegratz und Thaler wird die hormonale Kontrazeption mit kombinierten oralen Kontrazeptiva (KOK) umfassend dargestellt und auch auf Nebenwirkungen und Risiken eingegangen (1). Leider ist die Darstellung der Risiken teilweise unvollständig und entspricht nicht dem aktuellen Kenntnisstand. In Bezug auf das Risiko venöser Thromboembolien ist dies möglicherweise auf den Zeitpunkt der Einreichung des Artikels zurückzuführen.

Die Autoren führen aus, dass es Hinweise auf eine Modifikation des Risikos für venöse Thromboembolien durch die Gestagenkomponente gebe und sich bei Kombination mit Desogestrel, Gestoden und Cyproteronacetat ein höheres Risiko als mit Levonorgestrel-haltigen KOK gefunden hätte. Diese Aussage trifft zwar zu, jedoch bleiben die aktuelleren Daten zum Risiko venöser Thromboembolien bei Anwendung Drospirenon-haltiger KOK gänzlich unerwähnt (2, 3). Dies ist unverständlich vor dem Hintergrund, dass Drospirenon-haltige KOK in Deutschland zu den am häufigsten verordneten hormonalen Kontrazeptiva gehören (4) und die europäische Arzneimittelbehörde (European Medicines Agency, EMA) sich schon im März 2010 und zuletzt im Mai 2011 aufgrund neuer Studienergebnisse mit der Bewertung des Risikos für venöse Thromboembolien im Zusammenhang mit verschiedenen KOK beschäftigt hat (siehe www.ema.europa, Plenary Meeting März 2010 und Mai 2010). Die EMA stuft das Risiko unter Drospirenon-haltigen KOK höher ein als unter Levonorgestrel-haltigen KOK und vermutet, dass es dem von Desogestrel- und Gestoden-haltigen KOK entspricht.

In einer Bekanntgabe in diesem Heft wird auf das Risiko venöser Thromboembolien näher eingegangen, da aus unserer Sicht die Bewertung der EMA bei der individuellen Verordnung eines KOK berücksichtigt werden muss.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0768b

Prof. Dr. med. Ursula Gundert-Remy

Dr. med. Thomas Stammschulte

Geschäftsstelle der Arznei­mittel­kommission
der deutschen Ärzteschaft Berlin

Thomas.Stammschulte@akdae.de

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Wiegratz I, Thaler CJ: Hormonal contraception: what kind, when, and for whom? Dtsch Arztebl Int 2011; 108(28–29): 495–506. VOLLTEXT
2.
Jick SS, Hernandez RK: Risk of non-fatal venous thromboembolism in women using oral contraceptives containing drospirenone compared with women using oral contraceptives containing levonorgestrel: case-control study using United States claims data. BMJ 2011; 342: d2151. CrossRef MEDLINE
3.
Parkin L, Sharples K, Hernandez RK, Jick SS: Risk of venous thromboembolism in users of oral contraceptives containing drospirenone or levonorgestrel: nested case-control study based on UK General Practice Research Database. BMJ 2011; 342: d2139. CrossRef MEDLINE
4.
Schwabe U, Paffrath D (eds.): Arzneiverordnungs-Report 2010. Berlin, Heidelberg: Springer Medizin Verlag, 2010.
1.Wiegratz I, Thaler CJ: Hormonal contraception: what kind, when, and for whom? Dtsch Arztebl Int 2011; 108(28–29): 495–506. VOLLTEXT
2.Jick SS, Hernandez RK: Risk of non-fatal venous thromboembolism in women using oral contraceptives containing drospirenone compared with women using oral contraceptives containing levonorgestrel: case-control study using United States claims data. BMJ 2011; 342: d2151. CrossRef MEDLINE
3.Parkin L, Sharples K, Hernandez RK, Jick SS: Risk of venous thromboembolism in users of oral contraceptives containing drospirenone or levonorgestrel: nested case-control study based on UK General Practice Research Database. BMJ 2011; 342: d2139. CrossRef MEDLINE
4.Schwabe U, Paffrath D (eds.): Arzneiverordnungs-Report 2010. Berlin, Heidelberg: Springer Medizin Verlag, 2010.

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