ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2011Kindesmissbrauch: Befremdlich
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Volkmar Sigusch schreibt in PP ohne erkennbaren wissenschaftlichen Ansatz. Den Artikel über sexuellen Kindesmissbrauch habe ich mit Interesse begonnen, mit Befremden weitergelesen und mit Verärgerung und Abscheu abgeschlossen. Der Feminismus soll unsere Wahrnehmung von Sexualität von „rein“ auf „unrein“ verschoben haben. Gleich nach einer kaum überzeugenden historischen Einordnung des Inzesttabus werden Ehen von Gelehrten aus der Zeit der Klassik zu Beispielen gelungener Verbindungen mit minderjährigen Mädchen. Nicht in jedem Abschnitt, aber doch wiederkehrend, wird im Artikel der Missbrauch von Kindern relativiert, indem Sigusch die Opfer so weit differenziert, bis er Opfer nennt, die eigentlich gar nicht zu Schaden kamen (weil die Erfahrungen „ihnen in ihrer familiären oder familienlosen Situation geholfen“ hätten). Auch relativiert er den Missbrauch, indem er die Täter differenziert, bis er Täter nennt, die nur eine harmlose Figur sind („der altersabgebaute Mann“). Am Ende bleibt vom Missbrauch so wenig übrig, dass Sigusch in ein pädophil klingendes Geschwafel verfällt: „Die Sinnlichkeit, die sich zwischen einem Kind und einem Erwachsenen spontan entfaltet, ist etwas Wunderschönes. Nichts vermag intensiver an die Paradiese der Kindheit zu erinnern. Nichts ist reiner und harmloser als diese Erotik des Leibes und des Herzens.“ . . . Diese Formulierungen sind so befremdlich, dass man unweigerlich an den zuvor beschriebenen „tragischen Täter“ und „seine mehr oder weniger unbewusste Sehnsucht nach der eigenen als verloren erlebten Kindheit“ denkt . . .

Dr. med. Dirk Anders, 35037 Marburg

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