ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2011Haiti: Unsere Erfahrung
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Die Autoren beobachten am Beispiel Haiti eine Vielzahl teils hochfinanzierter Hilfsorganisationen, deren – zumal langfristiger – Nutzen für die Menschen vor Ort oft fraglich bleibt. Wir können diese Aussage aus eigenen Erfahrungen im Gazastreifen nur unterstreichen.

Trotzdem hätte man sich eine differenziertere Darstellung der Unterschiede reiner Nothilfeorganisationen (z. B. Ärzte ohne Grenzen) und Entwicklungshilfeorganisationen (z. B. Welthungerhilfe) gewünscht.

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Schließlich ist es Gegenstand intensivster Debatten in der Gemeinschaft der Nichtregierungsorganisationen, inwieweit auf nachhaltige Entwicklung ausgelegte Zusammenarbeit nicht zwangsläufig eng mit den örtlichen Behörden und Regierungen – von denen viele kein Muster an Demokratie und transparenter Mittelverwendung sind – kooperieren muss, um ihre Ziele zu erreichen und ob es, dem gegenüber- gestellt, für reine Nothilfeorganisationen legitim ist, weitgehend autark, dadurch aber eben auch politisch neutral, eine eher symptomorientierte Hilfe zu leisten.

Unsere Erfahrung als sehr kleine, weitgehend nothilfeorientierte NGO im Gazastreifen stellt sich wie folgt dar: Die Bevölkerungsdichte und das Bevölkerungswachstum im Gazastreifen sind immens. Von den zurzeit circa 1,6 Millionen Einwohnern leben etwa 70 Prozent unterhalb der Armutsgrenze von zwei US-Dollar am Tag. So steht den rund 1,1 Millionen potenziell Hilfebedürftigen ein Heer von staatlichen (z. B. GIZ, USAID), überstaatlichen (z. B. WFP, UNICEF, UNDEP) und nichtstaatlichen Helfern (wie Ärzte ohne Grenzen, Amnesty international, ICRC, Islamic Relief und viele andere) gegenüber. Und trotzdem sehen wir in unserer Arbeit vor Ort Schulen, an denen ein Großteil der Kinder nicht ausreichend ernährt ist und/oder dem Unterricht fernbleibt, um auf den kargen Feldern zum Überleben der Familie beizutragen. Warum das so ist, bleibt letztlich Gegenstand der Spekulation – aber so bietet die Gegenwart vieler kleiner Hilfsorganisationen die Chance, auch Menschen zu helfen, die von den Großen nicht erreicht werden. Eine gegenseitige Lähmung, gar ein Chaos können wir aus unserer Erfahrung nicht bestätigen. Wir sehen hier aber durchaus die Unterschiede zu einer Situation wie in Haiti, wo in der Folge eines definierten Ereignisses innerhalb kürzester Zeit viele Helfer auf den Plan traten, und sich gegenseitig Ressourcen streitig gemacht haben, letztlich zum Nachteil der Betroffenen.

Literatur bei dem Verfasser

Oliver Berthold, Vorstand al omri – Kinderhilfe
Palästina e.V., 13359 Berlin

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