ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2011Börsebius: Griechische Tragödie

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Börsebius: Griechische Tragödie

Dtsch Arztebl 2011; 108(45): A-2423 / B-2035 / C-2007

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Bevor wir im Breitbildformat über die Griechen herfallen, mag doch eine Randbemerkung aus der unmittelbaren Nachbarschaft warnend zeigen, dass auch hierzulande nicht alles zum Besten bestellt ist. In unserem hauseigenen Milliardengrab Hypo Real Estate, also genauer, in der dazugehörigen HRE Bad Bank, sind mal gerade eben per Rechenfehler 55,5 Milliarden Euro verschwunden. Keiner der Beteiligten hat irgendwie Schuld, selbst regierungsamtlich hat dies Finanzminister Schäuble festgestellt, es habe sich halt um ein „reines Kommunikationsproblem“ gehandelt. Und alles ist gut. Kann sich dieses Land solche Großzügigkeiten wirklich leisten?

Zurück zur griechischen Tragödie. Was hätte das für ein Triumph werden können, eine lorbeerumkränzte Angela Merkel, vor allem, die wahre Herrin Europas, die es Sarkozy & Co gezeigt hat. Im Brüsseler Beschluss der letzten Oktoberwoche zeigten die politisch Verantwortlichen Europas, dass sie doch noch handlungsfähig sind. Halbierung der griechischen Staatsschulden, Rekapitalisierung der Banken, wirkungsvolles Aufspannen des Rettungsschirmes. Und dies alles unter der strengen Knute der deutschen Bundeskanzlerin. Die Börsen bejubelten die Verhandlungsergebnisse mit gewaltigen Kursgewinnen.

Doch die Freude über die so sehr wichtigen Beschlüsse dauerte nur einige wenige Tage, dann hauten die Griechen alles wieder in Grund und Boden. Den erst entgeisterten, dann fürs Erste ratlosen Europäern präsentierte Griechenlands Premier Giorgos Papandreou den aberwitzigen Plan, über das zweite EU-Hilfspaket inklusive Sparmaßnahmen abstimmen zu lassen. Aberwitzig, weil a) völlig überraschend und aus heiterem Himmel und b) das Referendum erst Anfang nächsten Jahres abgehalten werden sollte. Ein rundum katastrophales Szenario.

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Die Reaktion der Börsen, es ging unverzüglich wie auch rasant abwärts, signalisierte den Beteiligten, dass schnelles Handeln geboten war. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy nahmen sich dann auch sofort den griechischen Premier zur Brust oder ins Gebet oder beides und erzwangen eine Vorverlegung der Volksabstimmung. Gebe Gott, dass die Griechen dem Paket zustimmen, wie es andernfalls für den Euro und für Europa ausgehen könnte, vermag niemand mit Sicherheit zu sagen.

Was bedeutet das letztlich für uns Anleger? Die Erkenntnis, dass Europa die richtigen strukturellen Schritte gehen will, hilft den Märkten im Moment nicht wirklich weiter. Das griechische Memorandum wirkt wie ein Klotz am Bein und schränkt somit das Gehen eben doch arg ein. Die Phase der Unsicherheit bleibt somit, vor allem lauern in den finstersten Ecken auch noch die Wackelkandidaten Italien, Spanien und Portugal.

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