ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2011Krankenhauskrimi: Killer im Arztkittel

KULTUR

Krankenhauskrimi: Killer im Arztkittel

Dtsch Arztebl 2011; 108(45): A-2413 / B-2033

Protschka, Johanna

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Was den Zivilisten das „Hallo“, ist den Assistenzärzten ein „Diese Station ist ein Albtraum“, bemerkt Dr. Peter Brown alias Pietro in Josh Bazells Erstlingswerk „Schneller als der Tod“. Dr. Brown muss es wissen, denn er ist Assistenzarzt im New Yorker Manhattan-Catholic-Krankenhaus und um seinen Arbeitsplatz nicht unbedingt zu beneiden. Nur mit einer nicht zu unterschätzenden Menge an Aufputschmitteln schafft er seine 24-Stunden-Schicht, in der er sich mit maulenden Patienten, einem gemeingefährlichen Gastrochirurgen und seinen alten „Mobsterfreunden“ herumschlagen muss. Denn Peter Brown war in einem früheren Leben ein mehr oder weniger ambitionierter Mafiakiller und soll jetzt die Quittung für eine Angelegenheit zahlen, die schon einige Jahre zurückliegt.

Der Autor hat sich diese Geschichte während seines Medizinstudiums ausgedacht. Neben dem Arztberuf ist das Schreiben seine große Leidenschaft, was auch seinen PhD in englischer Literatur erklärt. In acht verschiedenen Kliniken hat er bereits gearbeitet, wo er ähnliche Zustände wie im fiktiven Manhattan Catholic vorgefunden hat, lässt er jedoch offen. Den Roman könnte man deshalb auch als eine bitterböse Abrechnung mit dem US-amerikanischen Krankenhauswesen verstehen. Mit rotzigem Zynismus kommentiert Bazells Protagonist den Zustand auf den Stationen, der sowohl in hygienischer Hinsicht als auch in Bezug auf die Arbeitsweise des medizinischen Personals untragbar ist. Man ist sich nach der Lektüre wirklich nicht sicher, ob es angenehmer ist, für ein New Yorker Krankenhaus zu arbeiten oder für die Cosa Nostra. Es fließt jedenfalls viel Blut auf beiden Seiten.

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Dieser Krimi ist etwas für Hartgesottene, die Lust auf eine actionreiche Geschichte haben und sich nicht daran stören, wenn es ab und an ins Absurde abdriftet. „Schneller als der Tod“ wurde 2010 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet und zu einem Spiegel-Bestseller. Diesen Sommer ist der Roman als Taschenbuch erschienen, und Bazell hält schon den nächsten Krimi für November bereit. „Einmal durch die Hölle und wieder zurück“ heißt er; sein Protagonist wird dann als Schiffsarzt anheuern, und dass es auch auf See sehr blutig zugehen kann, ist anzunehmen. Johanna Protschka

Josh Bazell: Schneller als der Tod. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2011, 320 Seiten, Broschur, 9,99 Euro

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