ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2011Therapie von HIV-infizierten Patienten: Moderne Medikation hat Ansprechen verdreifacht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Therapie von HIV-infizierten Patienten: Moderne Medikation hat Ansprechen verdreifacht

Dtsch Arztebl 2011; 108(45): A-2400 / B-2023 / C-1995

Warpakowski, Andrea

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Seit 1998 besteht eine HIV-Therapie aus mindestens drei Medikamenten aus zwei oder mehr Substanzklassen. Verfügbar waren zu Beginn Nukleosidanaloga, Nicht-Nukleosidanaloga und Proteasehemmer, die mittlerweile mit Ritonavir geboostert werden. Entwickelten sich HI-Viren mit Resistenzen gegen diese 3 Klassen (triple-class virological failure [TCVF]), gab es für diese Patienten nur wenige weitere Optionen. Dass sich in den letzten 10 Jahren mit der Einführung neuer HIV-Medikamente aus vorhandenen und neuen (Integrasehemmer, CCR5-Antagonisten) Substanzen die Therapie für Patienten mit TCVF verbessert hat, ergab die Studie PLATO II (pursuing later treatment option). Die Autoren führen das darauf zurück, dass die neuen Medikamente besser verträglich und einfach einzunehmen sind und ein Resistenzprofil haben, das nicht mit dem älterer Substanzen überlappt.

Insgesamt 2 476 (3 %) von 91 764 Patienten aus 24 europäischen HIV-Kohorten erfüllten zwischen 2000 und 2009 die Kriterien für ein TCVF (Viren mit Resistenzen gegen die drei Klassen und vier Monate Viruslast von > 500 HIV-RNA-Kopien/ml Blut). In 2000 konnte nur einer von fünf (19,5 %) Patienten mit TCVF erfolgreich behandelt werden (Viruslast unter der Nachweisgrenze von < 50 Kopien/ml), im Jahr 2009 waren es 3 von 5 (57,9 %) (p < 0,001). Zugleich sank die Aids-Inzidenz von 7,7/100 Personenjahren zwischen 2000 bis 2002 auf 2,3 im Jahr 2008 und 1,2 im Jahr 2009 (p < 0,0001). Die Mortalität sank von 4,0 Todesfällen/100 Personenjahre zwischen 2000 bis 2002 auf 1,9 im Jahr 2007 und 1,4 im Jahr 2008 (n. s.).

Fazit: Mit deutlich optimierten Behandlungsoptionen selbst bei mehrfachem Therapieversagen scheint der Bedarf an weiteren antiretroviralen Medikamenten zunächst gedeckt, so Prof. Dr. med. Jürgen Rockstroh, Bonn. Dies solle aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es unverändert Patienten gibt, für die keine supprimierende HIV-Therapie mehr verfügbar ist und die dringend auf die Einführung neuer Wirkklassen wie zum Beispiel Attachment-Inhibitoren oder Integrasehemmern mit unterschiedlichem Resistenzmuster angewiesen sind. Verbesserungsbedarf bestehe auch bei Einnahmebedingungen für die Salvage- Therapie, denn hier müssen häufig Medikamente mit hohen Nebenwirkungsraten und komplexe Therapieformen mit oft hoher Tablettenlast eingesetzt werden.

Andrea Warpakowski

PLATO II project team. Trends in virological and clinical outcomes in individuals with HIV-1-infection and virological failure of drugs from three antiretroviral drug classes: a cohort study. Lancet Inf Dis, 2011; doi:10.1016/S1473–3099(11)70248–1

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