ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2011Neue Prognostische Marker für Hirntumoren identifiziert

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Neue Prognostische Marker für Hirntumoren identifiziert

Dtsch Arztebl 2011; 108(45): A-2370 / B-2002 / C-1974

Kespohl, Meike

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Tumorerkrankungen bei Kindern können ganz unterschiedlich schwer verlaufen. Da die Behandlung oft Spätfolgen nach sich zieht, ist es sehr wichtig, möglichst genau einschätzen zu können, wie die Erkrankung fortschreitet. Ganz besonders gilt dies für Hirntumoren des Kindesalters, denn Operation, Strahlen- und Chemotherapie können das Gehirn dauerhaft schädigen und so zu Entwicklungsstörungen und anderen langfristigen Folgeschäden führen. Hirntumoren, und darunter vor allem das Medulloblastom, aber auch Ependymome oder pilozytische Astrozytome sind die zweithäufigsten Tumorerkrankungen im Kindes-und Jugendalter.

Im Rahmen des Internationalen Cancer Genome Consortiums ICGC, das die genomischen Veränderungen in verschiedensten Tumoren analysiert, sequenziert die Arbeitsgruppe um Dr. med. Stefan Pfister am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg nun die DNA von Medulloblastomen und pilozytische Astrozytomen mittels „next-generation sequencing“, um somatische Mutationen aufzudecken und so die molekulare Diagnostik und Therapie dieser Tumorerkrankungen weiterzuentwickeln.

In den letzten Jahren wurden bereits für das Medulloblastom und das Ependymom klinisch relevante molekularbiologische Subgruppen identifiziert (J Clin Oncol 2011, 29: 2717–23. DOI: 10.1200/JCO.2011.34.9373).

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Diese Erkenntnisse zur Tumorentstehung und Klassifizierung schlagen eine Brücke von der medizinischen Grundlagenforschung zur klinischen Anwendung, da sie zur Risikoabschätzung der Tumorerkrankung verwendet werden können. Somit ist bei kindlichen Hirntumoren eine präzisere Diagnostik und damit auch eine präzisere Behandlung möglich.

Für das pilozytische Astrozytom konnte nun erstmalig ein Gen identifiziert und mit Hilfe eines neu entwickelten Mausmodells in vivo untersucht werden, welches bei mehr als der Hälfte dieser Tumoren genetische Veränderungen im Sinne einer onkogenen Aktivität aufweist. Hierbei handelt es sich um das onkogen aktivierte B-RAF-Kinase-Gen. Es ist Teil des Mitogen-Activated Protein-Kinase-Signalwegs und damit an der Regulation der Zellteilung und -differenzierung beteiligt. Durch gezielte Inhibition des B-RAF-Proteins mit Medikamenten, wie zum Beispiel Sorafenib, ist damit ein neuer, molekularer Ansatz für die Therapie von pilozytischen Astrozytomen gefunden worden (J Clin Invest 2011; 121(4): 1344–8. doi: 10.1172/JCI44656). Meike Kespohl

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