ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2011Interview: Keine Zunahme psychischer Störungen
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Die Psychologischen Psychotherapeuten Dieter Best und Jürgen Doebert nehmen im Interview Stellung zu den vermuteten Auswirkungen des Versorgungsstrukturgesetzes und der Vergütungsreform.

Best behauptet, dass die Prävalenz von psychischen Erkrankungen gestiegen sei und einen Mehrbedarf an Psychotherapie begründe. Dafür gibt es aber keine Evidenz. Im Gegenteil, aus manchen Studien könnte auch der Schluss gezogen werden, dass die Prävalenz psychischer Erkrankungen gesunken ist, zum Beispiel weil die schwer kriegstraumatisierten (Zweiter Weltkrieg) Menschen sterben. Die Auswertung von 44 epidemiologischen Arbeiten, die die Inzidenz und Prävalenz psychischer Störungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Längsschnitt untersuchten, ergab, dass weder bei allgemeinen psychischen Störungen noch bei spezifischen Störungsbildern – außer bei der Demenz – ein eindeutiger anhaltender Trend in Richtung Anstieg belegt werden kann (Richter, D. et al, Nehmen psychische Störungen zu? Eine systematische Literaturübersicht, Psychiat Prax 2008; 35: 321–30, DOI = 10.1055/ s-2008–1067570). Die zuweilen unterstellte Zunahme psychischer Störungen, zum Beispiel aufgrund des sozialen Wandels der Gesellschaft, konnte nicht bestätigt werden.

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Auch die unterstellten langen Wartezeiten (Doebert: „Bis zu einem Jahr“) kann ich nicht bestätigen. Die durchschnittliche Wartezeit meiner Patienten auf einen Therapieplatz in Wiesbaden beträgt 14 Tage.

Derzeit gebe es 11 000 Psychotherapeuten in Ausbildung, die in den nächsten Jahren alle in den Beruf drängen. Für diese sollen offenbar Kapazitäten geschaffen werden, was auf eine Verdoppelung der ambulanten Zulassungen hinauslaufen würde.

Rat und Hilfe finden Patienten mit psychischen Beschwerden aber in erster Linie beim Hausarzt, der sie auch – oftmals seit Jahrzehnten – am besten kennt. Das Budget für entsprechende hausärztliche Leistungen sollte deswegen aufgewertet werden. Hausärzte sind für ihre Patienten jederzeit da, und sei es über den Notfalldienst . . .

Dr. med. Dieter Wettig, 65199 Wiesbaden

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