ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2011Bundesfreiwillige: Zur Bedingung für ein Medizinstudium
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Auf die Gefahr hin, mir das Missfallen einiger Kollegen zuzuziehen, erlaube ich mir vorzuschlagen, die Ableistung eines Sozialen Jahres in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung zur Bedingung für die Aufnahme eines Medizinstudiums zu machen und damit dem Mangel an Bufdis entgegenzuwirken. Die künftigen Ärzte würden durch ein solches Soziales Jahr die Arbeit des Pflegepersonals kennen- und schätzen lernen, zahlreiche nützliche Erfahrungen im Umgang mit kranken Menschen gewinnen und mit den Abläufen des Krankenhausalltags bekannt werden. Auch würde sich durch ein solches Soziales Jahr rasch die Spreu vom Weizen trennen. Wer einmal beim Magenspülen geholfen, einen gelähmten Patienten von der Bettschüssel befreit oder einen Polytraumatisierten gelagert hat, weiß, was im Berufsleben auf ihn zukommen kann und wird seine Entscheidung, Medizin zu studieren, aus dieser Sicht noch einmal überdenken, es sei denn, er hat ohnehin vor, später am sauberen Schreibtisch einer Versicherung zu landen. Aber auch in diesem Falle hätte der künftige Verwaltungsmediziner wenigstens ein Jahr lang kranken Menschen unmittelbar geholfen, was ja auch von Wert sein kann. Ich selbst habe ein solches Pflegepraktikum auf einer Station einer Chirurgischen Universitätsklinik absolviert und dieses Jahr immer als Bereicherung, als Periode der Reifung nach dem Abitur und nie als verlorene Zeit empfunden.

Priv.-Doz. Dr. med. Wilfried Stoll,
59519 Möhnesee

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige