ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2011Hämatologie/Onkologie: Mini-Transplantation hat langfristig gute Ergebnisse

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hämatologie/Onkologie: Mini-Transplantation hat langfristig gute Ergebnisse

Meyer, Rüdiger

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Älteren Patienten, für die eine konventionelle hämatopoetische Stammzelltherapie zu riskant wäre, kann eine nichtmyeloablative allogene Stammzelltherapie angeboten werden. Dabei wird das Immunsystem nicht zerstört, sondern nur soweit supprimiert, dass das Mini-Transplant nicht abgestoßen wird. Die Therapie beruht auf dem Konzept, dass die Immunzellen des Transplantates die Lymphom- oder Leukämiezellen bekämpfen (Graft-versus-Leukämie-Effekt).

Eine Arbeitsgruppe um Mohamed Sorror vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle/USA hat die Ergebnisse aus 18 Zentren in den USA und Europa (dar- unter Leipzig, Tübingen, Köln) zusammengefasst. 372 Patienten (60 bis 75 Jahre alt) hatten zwischen 1998 und 2008 ein Mini-Transplant erhalten. Die Patienten litten an akuten oder chronischen Leukämien, Lymphomen, multiplen Myelomen, myelodysplastischen Syndromen oder vergleichbaren Erkrankungen. Alle wurden nach demselben Protokoll behandelt.

Bis Mitte 2010 lebten noch 133 Patienten. Die mediane Beobachtungszeit betrug 55 Monate. Ohne Mini-Transplant wären die meisten Patienten gestorben, schreiben die Autoren. Das Mini-Transplant konnte allerdings nicht alle Patienten retten. So starben 135 Patienten an einem Rezidiv der Erkrankung. Bei den übrigen 104 Patienten war der Tod zumeist Folge von Infektionen, einer Graft-versus-Host-Erkrankung (GVHD) oder einem Multiorganversagen, er war also häufig Folge der Therapie.

Damit errechnet sich für die ersten 5 Jahre eine Gesamtüberlebensrate von 35 % und ein rezidivfreies Überleben von 32 %. Die kumulative Rezidivrate nach 5 Jahren beträgt 41 %. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass das Alter der Patienten keinen Einfluss auf den Erfolg der Therapie hatte.

Der wichtigste Risikofaktor waren Begleiterkrankungen, die mit dem Hematopoietic Cell Transplant-specific Comorbidity Index (HCT-CI) bewertet wurden. Bei einem hohen ungünstigen Score lebten nach 5 Jahren noch 23 % der Patienten, bei einem niedrigen günstigen Score waren es dagegen 69 %. Die Hälfte der Patienten musste nach der Transplantation nicht stationär behandelt werden. Zwei Drittel konnten die immunsupprimierenden Medikamente nach zweieinhalb Jahren absetzen. Die Hazard Ratio für eine schwere, chronische GVHD betrug nach fünf Jahren allerdings noch 1,14. Ein wichtiges Ziel für die Zukunft sei daher, die Therapie weiter zu verbessern, heißt es im begleitenden Editorial (2).

Fazit: Die Ergebnisse der Mini-Transplantation als Bestandteil einer Therapie von hämatologischen Malignomen an internationalen Zentren belegen: Die Behandlung kann für ältere Menschen eine sinnvolle Option sein. Sie sollte Patienten nicht aus Altersgründen verweigert werden, meint der Kommentator (2). Daten des Center of International Blood and Marrow Transplantation Research zufolge erhält in der Altersgruppe der Über-60-Jährigen derzeit nur jeder Vierte eine Stammzelltherapie.

Rüdiger Meyer

  1. Sorror ML, Sandmaier BM, Storer BE et al.: Long-term outcomes among older patients following nonmyeloablative conditioning and allogeneic hematopoietic cell transplantatin for advanced hematologic malignancies. JAMA 2011; 306: 1874–83.
  2. Mineishi S: Overcoming the age barrier in hematopoietic stem cell transplantation. JAMA 2011; 306: 1918–20.

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