ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2011Diabetes mellitus: Raschere Kontrolle bei mehr Arztkontakten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetes mellitus: Raschere Kontrolle bei mehr Arztkontakten

Heinzl, Susanne

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In den derzeit existierenden Leitlinien zur Behandlung von Patienten mit Diabetes mellitus gibt es keine Hinweise, wie häufig Patienten Kontakt mit ihrem Arzt haben sollten. Daher wurde in einer retrospektiven Studie mit mehr als 26 000 Patienten der Frage nachgegangen, ob sich die Häufigkeit der Arzt-Patienten-Kontakte auf die Zeit auswirkt, die für die Einstellung verschiedener Zielparameter benötigt wird.

In der retrospektiven Studie wurde anhand der Daten von 26 496 Patienten mit Diabetes mellitus, Hyperglykämie, Bluthochdruck und/oder Hyperlipidämie untersucht, ob die Häufigkeit der Arzt-Patienten-Kontakte – gemessen als Notiz in der Patientenakte – einen Einfluss auf die Zeit bis zur Kontrolle verschiedener Zielvariablen hat. Als Zielvariablen wurden ein HbA1c-Wert < 7,0 %, ein Blutdruck < 130/85 mm Hg und ein LDL-Cholesterolwert < 100 mg/dl definiert.

In der multivariaten Analyse konnte gezeigt werden, dass diese Zielparameter umso rascher erreicht wurden, je häufiger die Patienten Kontakt zum Arzt hatten. Als optimal erwiesen sich Kontakte alle 2 Wochen. So betrug die mediane Zeit bis zum Erreichen des HbA1c-Zielwerts bei nicht insulinpflichtigen Patienten 4,4 Monate bei häufigem Kontakt im Vergleich zu 24,9 Monaten bei den Patienten, die nur alle 3 bis 6 Monate Kontakt mit der Arztpraxis hatten. Bei den insulinpflichtigen Patienten dauerte es 10,1 versus 52,8 Monate. Bei häufigem Arztkontakt sank der Blutdruck innerhalb von 1,3 Monaten auf den Zielwert, bei seltenen Kontakten dauerte es 13,9 Monate. Beim LDL-Cholesterol-Wert betrug die Zeit bis zum Erreichen des Zielwerts bei häufigem Arztkontakt 5,1 Monate, bei seltenem Arztkontakt 36,9 Monate. Alle Unterschiede waren signifikant (p < 0,001).

In einem begleitenden Editorial (2) wird darauf hingewiesen, dass die Studienergebnisse noch keine allgemeinen Empfehlungen zur Häufigkeit von Arzt-Patienten-Kontakten erlauben. Zum einen handelt es sich um eine retrospektive Studie. Zum anderen enthält die Untersuchung wenig Informationen zur Art und insbesondere zur Qualität des Arzt-Patienten-Kontakts.

Fazit: Diese retrospektive Kohortenstudie belegt, dass häufigere Arzt-Patienten-Kontakte bei Patienten mit Diabetes mellitus mit einer rascheren Einstellung des HbA1c-Werts, des Blutdrucks und des LDL-Cholesterol-Werts verbunden sind. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Morrison F, et al.: Encounter frequency and serum glucose level, blood pressure, and cholesterol level control in patients with diabetes mellitus. Arch Intern Med 2011; 171: 1542–50.
  2. Goroll AH: When it comes to primary care, more may be more. Arch Intern Med 2011; 171: 1550–1.

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