ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2011Fumarsäure senkt Schubrate bei Multipler Sklerose

AKTUELL: Akut

Fumarsäure senkt Schubrate bei Multipler Sklerose

EB

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Der Wirkstoff Fumarsäure kann offenbar die Schubrate bei der multiplen Sklerose (MS) annähernd halbieren und auch die MS-typischen Schädigungen des Gehirns deutlich reduzieren, so lautet das Ergebnis einer Studie, die auf dem Fachkongress ECTRIMS* in Amsterdam für Aufsehen sorgte. „Insbesondere die Kombination aus hoher Wirksamkeit und Sicherheit machen die Substanz zu einer interessanten Behandlungsoption“, kommentierte Studienleiter Prof. Dr. med. Ralf Gold, Bochum.

Noch sei das getestete Fumarsäure-Präparat „BG-12“ nicht für die Behandlung der multiplen Sklerose zugelassen, stellte Gold klar. Das Vorgängerprodukt Fumaderm® werde jedoch in einigen europäischen Ländern zur Behandlung der Psoriasis eingesetzt, was das Verfahren womöglich beschleunigen könnte. Dafür sprechen auch die Daten der DEFINE-Studie (Determination of the Efficacy and safety of oral Fumarate IN rElapsing-remitting MS), an der 1 234 Patienten mit schubförmiger MS und leichten bis mittelschweren Behinderungen teilgenommen haben.

Nach zwei Jahren hatten die Patienten der Verumgruppe 49 Prozent weniger Schübe erlitten, wenn sie die BG-12 zweimal täglich einnahmen. Die Auswertung zeigte auch einen erheblichen Unterschied beim Anteil der Patienten, bei denen ein Schub beobachtet worden war: Unter BG-12 waren es neun Prozent, unter Placebo dagegen 15 Prozent.

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Zwar hatten etwa 95 Prozent der Teilnehmer Nebenwirkungen bemerkt, die Rate war jedoch ähnlich unter Placebo. Im gesamten Studienzeitraum war es weder zu medikamentenbezogenen Todesfällen oder Krebserkrankungen gekommen, noch wurden vermehrt Infektionen beobachtet. Lediglich Hautrötungen, Durchfall, Übelkeit und Magenschmerzen waren mit BG-12 häufiger aufgetreten als unter Placebo. Aber auch diese Beschwerden waren vorwiegend in den ersten 30 Behandlungstagen aufgetreten und dann zurückgegangen.

„Daraus schließen wir, dass BG-12 eine therapeutische Option für Patienten mit schubförmiger MS sein könnte, mit ordentlicher Wirksamkeit, guter Verträglichkeit und einem exzellenten Sicherheitsprofil“, sagt Gold. Der Wirkmechanismus sei zwar noch nicht vollständig aufgeklärt, jedoch scheint es nicht nur eine dämpfende Wirkung auf die überschießende Immunreaktion bei MS auszuüben, sondern (nach MRT-Befunden) auch einen protektiven Effekt auf die Nervenzellen. EB

*Congress of the European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis

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