ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2011Ärztliche Begutachtung: Lücke in der Ausbildung praxisnah schließen

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Ärztliche Begutachtung: Lücke in der Ausbildung praxisnah schließen

Dehne, Andreas

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Die Thematik der ärztlichen Begutachtung kommt in den Ausbildungsinhalten des Medizinstudiums praktisch nicht vor, im Rahmen der Facharztausbildung spielte das Thema in der Vergangenheit kaum eine Rolle, die Erledigung von anfallenden Gutachtenaufträgen wird im Klinikalltag nach wie vor oft nur als marginale Pflichtübung abgearbeitet.

Diese Lücke des Ausbildungsweges will nun der Titel, basierend auf dem aus drei Modulen bestehenden Curriculum der Bundes­ärzte­kammer, praxisnah schließen (Modul I : Allgemeine Grundlagen, Zustandsbegutachtung I: Leistungsfähigkeit im Arbeits- und Erwerbsleben, Rehabilitation, Schwerbehindertenrecht, zwölf Stunden; Modul II: Kausalitätsbezogene Begutachtung, zwölf Stunden; Modul III: Zustandsbegutachtung II: Pflegeversicherung, private Kran­ken­ver­siche­rung, Berufsunfähigkeits(zusatz)versicherung, spezielle Begutachtungsfragen, 16 Stunden).

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Es werden alle gängigen und praxisrelevanten Arten von Gutachten sehr ausführlich und praxisbezogen besprochen und anhand von anschaulichen Fallbeispielen eingehend erörtert. Dabei sind konkrete Bewertungskriterien zu den jeweiligen Schädigungsarten in sehr übersichtlichen Tabellen vorgegeben. In gesonderten Kapiteln stehen spezielle Aspekte der Begutachtung zu Fragen der psychiatrischen und der forensischen Begutachtung im Mittelpunkt; bemerkenswert und in anderen Begutachtungsbüchern so nicht enthalten ist der Abschnitt zur Begutachtung von Migranten, ein Aspekt, der immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Besonders wichtig für das gegenseitige Verständnis von medizinischem Gutachter und den das Gutachten im juristischen Prozess verwertenden Juristen ist ein abschließender Text eines am Landessozialgericht tätigen Richters aus der Sicht des Juristen: Nur wenn Mediziner und Juristen ein Gefühl für den speziellen formalen und sprachlichen Duktus des Partners entwickeln, können Missverständnisse und auch Formfehler vermieden werden. Ausführlichere weiterführende Literatur wäre in einer späteren Nachauflage wünschenswert. Andreas Dehne

Stephan Becher, Elmar Ludoph (Hrsg.): Grundlagen der ärztlichen Begutachtung. Thieme, Stuttgart, New York 2011, 286 Seiten, gebunden, 79,99 Euro

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