ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2011Psychotherapeuten: Verwundert
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Mit einiger Verwunderung habe ich Ihren Beitrag über die desolate Vergütungssituation von Diplom-Psycholog(inn)en gelesen, welche im Falle einer Zusatzausbildung zum approbierten Psychologischen Psychotherapeuten von manchen Kliniken offenbar schamlos ausgenutzt werden.

In der von mir geleiteten Rehabilitationsklinik gelten diplomierte Psychologen als akademische Fachkräfte, und zwar unabhängig davon, ob sie eine Approbation zur Psychotherapie zusätzlich aufweisen oder nicht. Es sollte berücksichtigt werden, dass ein Diplom-Psychologe auf ordnungsgemäßem Wege sein Universitätsstudium hinter sich gebracht, dieses mit einer Diplom-Arbeit abgeschlossen und auch alle für sein Studium vorgeschriebenen Prüfungen erfolgreich abgelegt hat. Dies sollte sich auch in der Vergütung eines solchen Mitarbeiters widerspiegeln.

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Erschreckend erscheint die Ignoranz des Petitionsausschusses im Deutschen Bundestag, wenn dieser in 2006 allen Ernstes eine angemessene Vergütung solcher Fachkräfte nicht unterstützt hat, und zwar mit der irrigen Unterstellung, das Psychiatrie-Jahr sei am ehesten mit dem praktischen Jahr oder mit Famulaturen vergleichbar, keinesfalls aber mit der fachärztlichen Weiterbildung. Hier hat der Petitionsausschuss unzweifelhaft übersehen, dass Famulaturen von Medizinstudenten in den niedrigen bis mittleren Semestern absolviert werden und es sich beim Student im praktischen Jahr, wie die Bezeichnung bereits erkennen lässt, um einen Studenten im elften oder zwölften Fachsemester handelt. Im Unterschied zum diplomierten Psychologen hat ein solcher Student eben noch nicht sein Hochschulstudium erfolgreich beendet und auch seine Examina noch nicht vollständig abgelegt.

Vor diesem Hintergrund spricht es für einen bedauernswerten Zynismus, wenn ein Diplom-Psychologe mit absolviertem universitärem Abschluss einem Studenten im unteren, mittleren oder höheren Semester gleichgestellt wird . . .

Unverständlich erscheint auch, wenn das zuständige Ministerium diese unbefriedigende Situation nicht durch eine Gesetzesänderung zu beseitigen plant, da angeblich zu viele andere Gesetzesvorhaben die hierfür erforderlichen Kapazitäten binden. Durch diese politische Passivität wird der ohnehin zu beobachtenden sukzessiven Abwertung qualifizierter akademischer Berufe mit hieraus resultierenden Abwanderungen Vorschub geleistet . . .

Prof. Dr. med. Jörg Piper, Chefarzt der Inneren Medizin, Meduna-Klinik, 56864 Bad Bertrich

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