ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2011Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibungen: Eine Hilfe für Arztpraxen

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Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibungen: Eine Hilfe für Arztpraxen

Bandering, Michael

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Im Zuge der Unternehmenssteuerreform 2008 wurden die Regelungen zu den „Ansparabschreibungen“ vereinfacht.

Zur Förderung kleinerer und mittlerer Betriebe wurde mit § 7 g des Einkommenssteuergesetzes (EStG) der „Investitionsabzugsbetrag“ geschaffen, den Sonderabschreibungen ergänzen.

Gefördert werden regulär buchführende, der selbstständigen Arbeit dienende Betriebe (wie beispielsweise Arztpraxen) mit einem Betriebsvermögen von maximal 235 000 Euro sowie Praxen mit einfacher Einnahmen-/Ausgaben-Überschuss-Rechnung gemäß § 4 III EStG, deren Jahresgewinn 100 000 Euro nicht überschreitet. Diese Größenverhältnisse orientieren sich an den Gegebenheiten des Geschäftsjahres, für das der Investitionsabzugsbetrag beantragt wird. Dabei bleibt der Abzugsbetrag unberücksichtigt. Der Grenzwert „Betriebsvermögen“ lässt sich durch Entnahmen vor dem Bilanzstichtag entschärfen.

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Anschaffungskosten bis zu 40 Prozent geltend machen

Eine begünstigte Arztpraxis darf für eine beabsichtigte Anschaffung eines – auch gebrauchten – beweglichen Anlagegutes bis zu 40 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten (ohne Mehrwertsteuer) als Investitionsabzugsbetrag gewinnmindernd geltend machen, wodurch sogar ein Verlust bewirkt oder erhöht werden darf. Die Summe aller Abzugsbeträge im Wirtschaftsjahr des Abzugs sowie in den drei vorangegangenen Jahren dürfen 200 000 Euro nicht überschreiten. Eine Aufstockung des Abzugsbetrages auf volle 40 Prozent in den Folgejahren ist nicht zulässig.

Der nicht bilanzwirksame Abzugsbetrag ist anlässlich der Einreichung des Jahresabschlusses (gegebenenfalls inklusive Anhang, Lage-, Prüfungsbericht), für den der Abzug geltend gemacht wird, zu beantragen. Dazu bedarf es einer genauen (nicht verallgemeinernden) Beschreibung von Art und Funktion des anzuschaffenden Wirtschaftsguts sowie der Höhe der voraussichtlichen Anschaffungskosten. Selbstverständlich muss die Investition als realistisch, also in das Betriebskonzept passend, auch als finanzierbar erscheinen. Allerdings bedarf es keines Nachweises etwa durch einen Investitionsplan oder einer bereits festen Bestellung.

Die Anschaffung hat in den drei Jahren zu erfolgen, die dem Jahr der Abzugsbetragseinstellung folgen. Läuft diese Frist ungenutzt ab, ist der Abzugsbetrag erfolgswirksam rückwirkend – wiederum außerhalb der Bilanz – aufzulösen. Der Arzt kann den Abzugsbetrag aber auch schon früher wieder auflösen. Ob und inwieweit nach einer Rückabwicklung des Abzugsbetrags sechs Prozent Zinsen pro Jahr aus dem Steuernachzahlungsbetrag für den Fiskus berechnet werden, ist derzeit umstritten. Der Tatbestand der Nichtinvestition ist dem Finanzamt unverzüglich anzuzeigen.

Der Arzt hat das anzuschaffende Wirtschaftsgut zumindest bis zum der Anschaffung folgenden Wirtschaftsjahr ausschließlich oder zu mindestens 90 Prozent in einer inländischen Betriebsstätte betrieblich zu nutzen. Ein abzugsbetrags-unschädliches Nutzungsende vor Ablauf dieser Frist beschränkt sich auf außerordentliche Sachlagen wie Totalschaden, Diebstahl, Umtausch wegen Mängeln. Im Anschaffungsjahr ist der Abzugsbetrag gewinnerhöhend außerhalb der Bilanz aufzulösen. Gleichzeitig darf der Arzt das Wirtschaftsgut innerhalb der Bilanz um den Abzugsbetrag, maximal um 40 Prozent des Wertes des Wirtschaftsguts mindern; aus dem danach verbleibenden Wert ergibt sich die Bemessungsgrundlage für Abschreibungen.

Die weitere (fast) ausschließliche betriebliche Nutzung des Wirtschaftsguts in einer inländischen Betriebsstätte gestattet dem Arzt eine Sonderabschreibung von insgesamt 20 Prozent aus den um den Abzugsbetrag geminderten Anschaffungskosten, die innerhalb von fünf Jahren geltend gemacht werden können; ob auf einmal oder wie auch immer verteilt, bleibt im Ermessen des Arztes. Daneben (!) darf das Wirtschaftsgut zu den üblichen AfA-Sätzen linear abgeschrieben werden. Schließlich ist der Buchwert nach fünf Jahren entweder entsprechend der verbleibenden Nutzungsdauer linear abzuschreiben oder gemäß der ursprünglichen Nutzungsdauer.

Geringere Steuern kurz nach der Investition

Muss ein Abzugsbetrag wegen ausgebliebener Investition rückabgewickelt werden, ist ein nochmaliger Antrag auf Gewährung eines Abzugsbetrags für dieselbe ursprünglich vorgesehene Anschaffung nur erfolgreich, wenn ganz besondere nachvollziehbare Gründe für das Scheitern der anfangs schon vorgesehenen Investition vorgetragen werden können.

Eine Inanspruchnahme des Programms konzentriert Abschreibungsvolumen auf einen anschaffungsnahen Zeitraum mit entsprechend positivem Liquiditätseffekt (verringerte Steuerzahlungen). Freilich zum Nachteil der späteren Phase, doch dürfte dies angesichts mittelfristig wohl weiter steigender Preise zu vernachlässigen sein. Es eignet sich daher ganz besonders für Praxen in einem ertragsstarken Jahr, nicht jedoch, würde durch die Inanspruchnahme des Investitionsabzugs ein Verlust bewirkt oder gar ein defizitäres Ergebnis verstärkt, ein ungewöhnlicher Sonderfall ausgenommen. Allerdings sollte man auch nicht die noch offene Verzinsungsfrage aus den Augen verlieren, wird die vorgesehene Investition nicht rechtzeitig realisiert.

Michael Bandering

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