ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2011DÄ-Kongress „Perspektiven und Karriere“: Markt der Möglichkeiten

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DÄ-Kongress „Perspektiven und Karriere“: Markt der Möglichkeiten

Richter-Kuhlmann, Eva

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Der Besucherrekord beim 5. Bundeskongress zeigt: Das Interesse von Medizinstudierenden und Assistenzärzten an guten Weiterbildungs- und Tätigkeitsmodellen ist ungebrochen.

Als „Markt der Möglichkeiten“ für die ärztliche Berufsausübung bezeichnen Nachwuchsmediziner mittlerweile den traditionell im Herbst stattfindenden Bundeskongress „Perspektiven und Karriere“ des Deutschen Ärzteblattes. Knapp 800 Teilnehmer, größtenteils Medizinstudierende und Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, diskutierten Anfang November zum fünften Mal in Folge im Berliner Langenbeck-Virchow-Haus über ihre Karrierechancen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dabei informierten sie sich gleichzeitig bei zahlreichen Ausstellern über ihre Weiterbildungsmöglichkeiten in den einzelnen Fachrichtungen.

Vorträge, Diskussionen und individuelle Beratung: Die Kongressatmosphäre war geprägt von Elan und Begeisterung für die Medizin. Fotos: Andreas Chudowski
Vorträge, Diskussionen und individuelle Beratung: Die Kongressatmosphäre war geprägt von Elan und Begeisterung für die Medizin. Fotos: Andreas Chudowski
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Weiterhin ein Traumberuf

„Der Arztberuf ist nach wie vor ein Traumberuf“, betonte die Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Dr. med. Martina Wenker, zur Eröffnung des Kongresses. Damit die Absolventen des Fachs Humanmedizin jedoch auch tatsächlich in der kurativen Medizin tätig werden, müssten die Politik sowie die Kosten- und Klinikträger dafür sorgen, dass Ärztinnen und Ärzte die Rahmenbedingungen ihrer Berufsausübung nicht mehr länger als Alptraum erleben müssen. „Zumindest die Politik scheint sich dieses Problems allmählich bewusstzuwerden“, meinte die Internistin. Mit dem geplanten GKV-Versorgungsstrukturgesetz ergreife eine Bundesregierung erstmals konkrete Maßnahmen, den zunehmenden Mangel an Ärztinnen und Ärzten in Deutschland ernsthaft zu bekämpfen. Auch die geplante Änderung der Ärztlichen Approbationsordnung sei ein Schritt in die richtige Richtung.

„Die Initiativen des Gesetzgebers können dazu beitragen, dass nach dem Studium nicht der Praxisschock folgt“, erklärte Wenker. Zudem würden auch die Ärztekammern Verantwortung übernehmen und darauf hinwirken, dass Defizite in der ärztlichen Weiterbildung abgebaut werden können. In diesem Zusammenhang verwies Wenker auf die gerade wiederholte „Evaluation der Weiterbildung“ durch die BÄK, deren Ergebnisse in den nächsten Wochen veröffentlicht werden sollen.

Der Kongress beleuchtete aber nicht nur die Perspektiven in der stationären, sondern auch in der ambulanten Versorgung. Deren Bedeutung werde angesichts des demografischen Wandels weiter zunehmen, zeigte sich Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), überzeugt. Zudem müssten nahezu 24 000 Vertragsärzte in den kommenden fünf Jahren ersetzt werden; bis zum Jahr 2020 sogar 48 500. Der Allgemeinarzt verwies auf die Vorteile des ambulanten Bereichs: „Die Möglichkeiten, selbst zu entscheiden, wie Sie Ihre Arbeit gestalten wollen, sind so vielfältig wie nie“, erläuterte er den Berufseinsteigern. Einzelpraxis, Praxisgemeinschaft, Gemeinschaftspraxis, angestellt in der Praxis eines Kollegen oder in einem Medizinischen Versorgungszentrum, Arbeit in Teilzeit, hälftig tätig in einer Niederlassung und zusätzlich an einem Krankenhaus seien nur einige der vielen Optionen. Mit ihnen werde dem Wunsch junger Ärzte nach Kooperation Rechnung getragen: „Der sprichwörtliche Einzelkämpfer scheint eher ein Auslaufmodell zu sein. Ich halte das für eine positive Entwicklung“, erklärte Müller.

Frauen-Power unterschätzt

Erneut zeigten die vielfältigen Diskussionsrunden mit den Nachwuchsärzten auf dem Kongress, dass für junge Ärztinnen und Ärzte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine wichtige Rolle bei der Wahl des Arbeitsplatzes spielt. „Leider sind die ärztlichen Anforderungen in vielen Kliniken noch an der Norm der männlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen orientiert“, erklärte Dr. med. Regine Rapp-Engels, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes. Angesichts von 62 Prozent weiblichen Studienanfängern im Fach Humanmedizin im Studienjahr 2009/10 müssten endlich die alten Rollenbilder über Bord geworfen werden.

Dem Bundeskongress mit einer rekordverdächtigen Teilnehmerzahl in diesem Jahr wird im Dezember noch ein Regionalkongress in Köln folgen. Weitere regionale Kongresse sind 2012 unter anderem in Frankfurt/M., Leipzig und Hamburg geplant.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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