ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2011Rehabilitation: Nicht nur für politische Sonntagsreden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Es ist keinesfalls Zufall, dass die Kinder- und Jugendlichenreha auch bei der Deutschen Rentenversicherung eine besorgniserregende Entwicklung genommen hat beziehungsweise immer noch nimmt, obwohl die Bedarfssituation völlig unstrittig ist.

Wir müssen aufgrund der aktuellen Gesetzeslage mit einem vorgegebenen Rehabudget auskommen, das kaum noch ausreicht, um unsere Pflichtaufgaben zu erfüllen. Wen wundert’s, dass dann bei sogenannten freiwilligen Aufgaben – und dazu zählt die Kinderreha – zurückhaltend zur Antragstellung motiviert und entsprechend restriktiv bewilligt wird? Ein Phänomen, das offensichtlich gleichermaßen Verwaltungsbeamte wie Sozialmediziner infiziert. Leicht gemacht wird diese Zurückhaltung durch die im Gesetz verankerte Doppelzuständigkeit sowohl der Renten- als auch der Kran­ken­ver­siche­rung. Wenn ich nicht bewillige, wird’s schon die Kasse tun – eine verführerische Ausrede, die im Ergebnis nicht selten rehabedürftigen Kindern und Jugendlichen eine notwendige Rehamaßnahme zum frühest möglichen Zeitpunkt vorenthält.

Anzeige

Wer immer noch ein schlechtes Gewissen hat, kann sich auch noch dadurch trösten, dass im Falle eines Widerspruchs ja bekanntermaßen recht unbürokratisch die Bewilligung nachgeholt wird. Damit ich keinesfalls missverstanden werde, ich habe durchaus ein gewisses Verständnis für dieses Verwaltungs- „handeln“ der Entscheiderinnen und Entscheider. Zu oft wurde ich als verantwortlicher Geschäftsführer der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg wegen permanenter Nichteinhaltung des Rehabudgets mehr oder weniger deutlich in- und extern gerügt, wobei gelegentlich sogar von „vorsätzlich beziehungsweise – zumindest – rechtswidrig“ die Rede war . . .

Wenn – wie seit geraumer Zeit – die klamme Kran­ken­ver­siche­rung derartige Zukunftsinvestitionen ab- und der Rentenversicherung aufs Auge drückt, ist eine klare Ansage des Gesetzgebers gefordert.

Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Die komplette Zuständigkeit für die Kinder und Jugendlichen wird der – mit Verlaub – insoweit ohnehin kompetenteren Rentenversicherung expressiv verbis übertragen, mit entsprechender Budgetaufstockung versteht sich. Die einfachere Variante ist die, „nur“ das Rehabudget der Deutschen Rentenversicherung deutlich zu erhöhen und bei der Gelegenheit uns „Verwaltungsbeamten und Sozialmedizinern“ deutlich zu signalisieren, dass Prävention und Reha nicht nur für politische Sonntagsreden taugen, sondern richtig gewollt sind.

Hubert Seiter, Erster Direktor, Vorsitzender der
Geschäftsführung, Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, 70437 Stuttgart

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote