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Der sehr lesenswerte Artikel nimmt Stellung zu den ethischen und rechtlichen Konsequenzen einer spenderorientierten Lebensverlängerung. Besonders wichtig ist der Hinweis, dass Organspendeausweis und Patientenverfügung bezüglich der verschiedenen Maßnahmen zur spenderorientierten Lebensverlängerung (z. B. Reanimation mit Herzdruckmassage) präzisiert und abgestimmt sein müssen.

Es ist das zentrale Problem der spenderzentrierten Lebensverlängerung, wie auch die Autoren darstellen, dass es in seltenen Fällen zur Ausbildung eines apallischen Syndroms kommen kann, bei dem der Patient erneut selbstständig atmen und schlucken kann, ohne dass er sein Bewusstsein zurückerlangt. Die Frage, wie in einer solchen Situation unnötiges Leid vermieden und ein würdiges und selbstbestimmtes Sterben ermöglicht werden kann, beschäftigt viele Mediziner und Nichtmediziner.

Eine wichtige Hilfestellung für Ärzte und betreuende Personen bietet in diesem Zusammenhang die Entscheidung des Bundesgerichtshofes vom 25. 06. 2010 (2 STR 454/10). Der Jurist Professor Ulsenheimer fasst die in diesem BGH-Urteil formulierten Leitkriterien zusammen (Ulsenheimer, Intensivmedizin Up2date 2010; 6: 249–250):

  • Direkte aktive Sterbehilfe ist strafbar.
  • Medizinisch indizierte palliative Maßnahmen zur Schmerzlinderung (möglicherweise als unbeabsichtigte, aber in Kauf genommene Nebenfolge, den Todeseintritt beschleunigend) sind straflos.
  • Sterbehilfe durch Behandlungsunterlassung, -begrenzung oder -abbruch ist möglich.
  • In einem ebenfalls sehr lesenswerten Artikel zum Thema „Patientenverfügung“ weist er zudem darauf hin, dass bezüglich der Grundfragen der Sterbehilfe in der Rechtsprechung Klarheit und Einigkeit in folgenden Punkten bestehe (Anaesthesist 2010; 59: 111–7):
  • „Sterbehilfe ist nur entsprechend dem erklärten oder mutmaßlichen Patientenwillen durch die Nichteinleitung oder Nichtfortsetzung, also das Unterlassen lebensverlängernder Maßnahmen, zulässig, um dem Sterben – gegebenenfalls unter wirksamer Schmerzmedikation – seinen natürlichen, der Würde des Menschen gemäßen Verlauf zu lassen
  • Einigkeit besteht ferner darin, dass die Vornahme einer ärztlich gebotenen potenten Schmerztherapie nicht dadurch unzulässig wird, dass sie als unbeabsichtigte, aber in Kauf genommene unvermeidbare Nebenfolge den Todeseintritt beschleunigen kann. Zur Begründung der Straflosigkeit dieser indirekten aktiven Sterbehilfe (im Sinne leidensmindernder Behandlung) wird teilweise darauf verwiesen, dass sie schon ihrem sozialen Sinngehalt nach aus dem Tatbestand der Tötungsdelikte herausfällt beziehungsweise der Tötungsvorsatz fehlt, teils zur Rechtfertigung des lebensverkürzenden ärztlichen Handelns auf die Notstandsregelung des § 34 StGB zurückgegriffen. Denn die Ermöglichung des Todes in Würde und Schmerzfreiheit gemäß dem erklärten oder mutmaßlichen Patientenwillen ist ein höherwertiges Rechtsgut als die Aussicht, unter schwersten, insbesondere sogenannten Vernichtungsschmerzen noch kurze Zeit länger leben zu müssen. Dies gilt nach herrschender Ansicht auch dann, wenn der Patient noch nicht im Sterben liegt, sondern lediglich tödlich erkrankt ist.“

Gilt es in dieser Situation, in der eine Organspende nicht mehr infrage kommt, nicht auch, den Patientenwillen zu respektieren; das heißt im Falle eines apallischen Syndroms einen Therapieabbruch vorzunehmen, falls dies in einer differenzierten Patientenverfügung vorgegeben wird? Immerhin ist eine Patientenverfügung von den behandelnden Ärzten als verbindlich zu betrachten: „Der Patientenwille, die Autonomie des Patienten steht über der Behandlungspflicht des Arztes und ist damit höher einzustufen als der Grundsatz ärztlichen Handelns; Salus aegroti suprema lex. Dies hat auch die . . . Entscheidung des BGH vom 08. 06. 2005 noch einmal klargemacht“ (Van Aken und Ulsenheimer, Intensivmedizin Up2date 2005; 1: 277–9).

Literatur bei den Verfassern

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h. c. Hugo Van Aken,
Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, Universitätsklinikum Münster, 48149 Münster

Prof. Dr. med. Dr. phil. Gerhard Brodner,
Leitender Arzt der Abteilung für Anästhesie,
Intensivmedizin und Schmerztherapie, Fachklinik Hornheide, 48157 Münster

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