ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2011Das häusliche Arbeitszimmer: Rechtsentwicklung im Sinne des Steuerzahlers

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Das häusliche Arbeitszimmer: Rechtsentwicklung im Sinne des Steuerzahlers

Dtsch Arztebl 2011; 108(46): A-2500 / B-2095 / C-2067

Meinel, Lars

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Auch dann, wenn im häuslichen Arbeitszimmer nicht der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit liegt, ist es unter Umständen wieder steuerlich abzugsfähig. Auch die gemischte Nutzung könnte bald erlaubt sein.

Eines der wichtigen Steuerrechtsinstitute mit erheblichem Steuersparpotenzial ist in Bewegung – und das nicht zur Freude des Fiskus. Dieser versucht seit Jahren, die Abzugsfähigkeit der Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer einzuschränken und wird hierbei von der Rechtsprechung erheblich in die Schranken gewiesen – zum Vorteil für alle Steuerpflichtigen, also auch für die Ärzte. Sowohl Arbeitnehmer, wie angestelltes medizinisches Fachpersonal, als auch Selbstständige, wie freiberuflich tätige Ärzte, können von der aktuellen Rechtsentwicklung profitieren.

Eine richtungsweisende Entscheidung

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Neben zahlreichen Einzelurteilen zu Detailfragen der Abzugsfähigkeit von Arbeitszimmerkosten sticht dabei der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 6. Juli 2010 als bedeutsame Richtungsentscheidung hervor. Hintergrund war eine durch das Steueränderungsgesetz 2007 eingeführte und bis dato anwendbare massive Einschränkung der Abzugsfähigkeit: Der Abzug von Arbeitszimmeraufwendungen war nur noch dann zugelassen, wenn im Arbeitszimmer der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit liegt. Die Alternativgründe, also Abzugsfähigkeit, wenn kein anderer Arbeitsplatz als das Arbeitszimmer zur Verfügung steht oder prozentuale Nutzung des Arbeitszimmers zu mehr als 50 Prozent der gesamten Tätigkeit, waren entfallen.

Besonders der Wegfall des Merkmals „kein anderer Arbeitsplatz als das Arbeitszimmer“ hatte zahlreiche Steuerpflichtige betroffen. In vielen Fällen lag zwar nicht der Mittelpunkt der betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit im Arbeitszimmer, wohl gab es aber für gewisse Tätigkeiten keine andere Möglichkeit als die Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers. Dieser Wegfall des bisherigen, auf 1 250 Euro begrenzten Abzugs der Kosten hatte zu erheblichen Steuermehreinnahmen aufseiten der Finanzkasse geführt. Unter Verweis auf den allgemeinen Gleichheitssatz des Artikel 3 Grundgesetz beurteilte das Bundesverfassungsgericht die Neuregelung allerdings rückwirkend ab 2007 als nicht verfassungsgemäß. Der Ansatz von Arbeitszimmerkosten ist damit wieder zulässig, soweit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Zu beachten ist, dass diese Abzugsfähigkeit für jede berufliche Tätigkeit separat zu beurteilen ist. Betätigt sich ein angestellter Arzt beispielsweise neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit in einem Krankenhaus als Autor für medizinische Fachartikel, so steht ihm für diese Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz als sein häusliches Arbeitszimmer zur Verfügung. Der Abzug der Arbeitszimmerkosten wäre damit bis 1 250 Euro zulässig.

Auch ist zu beachten, dass die gesetzliche Einschränkung der Abzugsfähigkeit nur für „häusliche“ Arbeitszimmer gilt. Bereits aus der Begrifflichkeit lässt sich ableiten, dass „außerhäusliche“ Arbeitszimmer, aber auch gewerbliche Arbeitszimmer („betriebsstättenähnliche Räume“) unbegrenzt abzugsfähig sind. In zahlreichen Einzelentscheidungen hat der Bundesfinanzhof hierzu die Abgrenzungskriterien festgelegt. Hauptkriterium ist dabei die Abgrenzung zur Wohnraumsphäre, also den privaten Räumen des Steuerpflichtigen. Im Fall der betriebsstättenähnlichen Räume kann das Arbeitszimmer im gleichen Gebäude, also zum Beispiel dem Privathaus des Steuerpflichtigen, gelegen sein. Allerdings muss nach außen erkennbar eine klare Abgrenzung der beruflich oder betrieblich genutzten Räume erkennbar sein. Hierfür spricht ein separater Hauseingang, eine Beschilderung und ein gewisser Publikumsverkehr. Eine Notfallpraxis eines selbstständigen Arztes in seinem privaten Wohnhaus könnte diese Kriterien beispielsweise erfüllen.

Eine weitere Bastion könnte fallen

Abschließend sei auf eine weitere Bastion der Arbeitszimmerabzugsfähigkeit hingewiesen, die gerade fällt: das gemischt genutzte Arbeitszimmer. Bisher war die Finanzverwaltung strikt davon ausgegangen, dass eine private Mitbenutzung der Räumlichkeiten zum Ausschluss der Abzugsfähigkeit führen würde. Undenkbar waren daher „Arbeitsecken“ in vorwiegend privat genutzten Räumen. Dieser Ansicht ist nun das Finanzgericht Köln mit Urteil vom 19. Mai 2011 entgegengetreten. Nach dessen Auffassung sind die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer auch bei erheblicher Privatnutzung des Raumes abzugsfähig – entsprechend des Nutzungsanteils. Derzeit ist das Revisionsverfahren beim Bundesfinanzhof anhängig, weswegen gegen Steuerbescheide Rechtsbehelfsverfahren zu empfehlen sind.

Lars Meinel, Steuerberater, Hof/Plauen

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