ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2011Psychologische Online-Beratung: Niedrigschwellige Hilfe für pflegende Angehörige

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Psychologische Online-Beratung: Niedrigschwellige Hilfe für pflegende Angehörige

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Einen pflegebedürftigen älteren Menschen zu Hause zu betreuen, ist eine anspruchsvolle und anstrengende Arbeit. Leicht überschätzen pflegende Angehörige dabei ihre Kräfte und erkennen die Überforderung erst, wenn sie selbst Krankheitssymptome zeigen. Das Modellprojekt pflegen-und-leben.de soll dazu beitragen, dass es nicht so weit kommt. Kernstück der Internetplattform ist eine persönliche psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige bei seelischer Belastung – anonym und kostenfrei. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Im Pflegealltag überschätzen viele Angehörige ihre Kräfte – Burn-out und Erschöpfung können die Folgen sein. Foto: Fotolia
Im Pflegealltag überschätzen viele Angehörige ihre Kräfte – Burn-out und Erschöpfung können die Folgen sein. Foto: Fotolia

„Die andauernde Belastung und das Gefühl ständigen Zeitmangels, ein schlechtes Gewissen und zunehmender sozialer Rückzug, besonders aber das Fehlen von sozialer Anerkennung sind der Nährboden für Erschöpfung und Burn-out“, sagt Projektleiterin Imke Wolf. Die Diplom-Psychologin betont, dass solche Überlastung nicht nur die eigene Gesundheit schädige, sondern auch negative Folgen für den Pflegebedürftigen haben kann. Dem soll das Projekt vorbeugen. Dabei sind Entspannung und Selbstfürsorge wichtige Elemente. 

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Der Zugang zur Online-Beratung ist einfach: Nach der Einrichtung eines anonymen Benutzerkontos auf der Internetplattform können pflegende Angehörige ihre Fragen direkt und datensicher an das speziell geschulte Psychologenteam richten. Zusammen mit den Ratsuchenden wird an individuellen Lösungen gearbeitet, die den seelischen Druck aus dem Pflegealltag nehmen. „Der Austausch mit den pflegenden Angehörigen findet ausschließlich schriftlich statt. Jede neue Anfrage wird binnen zwei Werktagen beantwortet. Daran kann sich ein längerer Beratungsprozess anschließen“, erläutert Wolf.

Die niedrigschwellige Online-Beratung kann fachkompetenten Beistand bieten, wenn den Angehörigen die Zeit fehlt oder die Hemmschwelle für ein persönliches Gespräch in einer Beratungsstelle vor Ort zu groß ist. Zusätzlich steht ein breites Informationsangebot zur Verfügung. Es werden Symptome und Folgen seelischer Belastungen im Pflegealltag beschrieben, aber auch Tipps und Hinweise gegeben, diese zu bewältigen. So enthält etwa ein „Notfallkoffer“ einfache Hilfestellungen für Krisensituationen. EB

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