ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2011Gerd Gigerenzer: Bauchentscheidungen und Risikokompetenz

PERSONALIEN

Gerd Gigerenzer: Bauchentscheidungen und Risikokompetenz

Bühring, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Gerd Gigerenzer, Foto: Dietmar Gust/MPIBI
Gerd Gigerenzer, Foto: Dietmar Gust/MPIBI

„Ärzte haben kein effektives Training, um Risiken angemessen zu kommunizieren“, sagte Prof. Dr. phil. Gerd Gigerenzer bei der Verleihung des Deutschen Psychologiepreises 2011, obwohl das Thema immer wichtiger werde. Selbst Beipackzettel würden nicht für Patienten geschrieben, sondern dienten der rechtlichen Absicherung. Nicht nur im Medizinstudium, sondern „bereits in der Grundschule müssen wir Kindern beibringen, mit Risiken umzugehen“, betonte der Wissenschaftler. Der Leiter des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin erhielt den Preis für sein Lebenswerk.

Gigerenzer forscht über Risikoverhalten und -kommunikation, die Natur sozialer Intelligenz und wie Menschen mit begrenzter Zeit und begrenztem Wissen Entscheidungen treffen. Er betont dabei die Bedeutung des Bauchgefühls. Entscheidungen werden danach vor allem intuitiv getroffen und rationale Entscheidungsstrategien als spätere Hilfsmittel nachgeordnet. Der 64-Jährige ist wie nur wenige deutsche Forscher auch in angelsächsischen Ländern bekannt; seine Bücher sind in 18 Sprachen übersetzt.

Anzeige

Der Berufsverband Deutscher Psychologen, einer der vier preisverleihenden Organisationen, lobt Gigerenzers Fähigkeit, „Grundlagenforschung in die Praxis zu übertragen“. Er trainiert unter anderem Richter, Manager und Ärzte in Risikokommunikation. „Ärzte und Psychotherapeuten müssen täglich Bauchentscheidungen treffen, wenngleich die Therapie evidenzbasiert sein muss“, sagte Prof. Dr. phil. Rainer Richter, Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer. Petra Bühring

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote