ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2011Bilderbuchmuseum: Ein Ort zum Lesen und Verweilen

KULTUR

Bilderbuchmuseum: Ein Ort zum Lesen und Verweilen

Wanner, Ernst

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In den Räumen einer Burg erwarten den Besucher Räume voller Kunst. Eine medizinische Kinderbuchsammlung soll die Angst vor dem Arzt nehmen.

Fotos: Ernst Wanner
Fotos: Ernst Wanner

Zwischen Köln und Bonn, in Troisdorf, liegt die romantische Burg Wissem. In ihr befindet sich Europas einziges Bilderbuchmuseum. In den Räumen der Burg erwartet den Besucher kein staubtrockenes Museum, sondern Räume voller Kunst, die zum Schmökern einladen. Eine winzige Spindeltreppe führt in ein verwunschenes Turmzimmer, das die Kleinen zum Lesen und Verweilen empfängt.

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Die bis ins Jahr 1498 zurückreichenden Bestände ziehen Wissenschaftler, Kinderbuchliebhaber und die Adressaten der Bücher, die Kinder, gleichermaßen an. Ständig wächst die Schar der Besucher. Ganz selbstverständlich stellt sich so der Erfolg der Museumsarbeit ein, ein wichtiger Beitrag zur frühkindlichen Bildung und zur Leseförderung. Auch den bedeutenden Kinderbuchillustratoren ist viel Raum gewidmet. So findet man im Kinderbuchmuseum den wohl größten Bestand an Janosch-Originalen, aber auch Tomi Ungerer, F. K. Waechter und Lieselotte Schwarz sind vertreten.

Für Ärzte und Kinder gleichermaßen interessant ist die medizinische Kinderbuchsammlung des Aachener Medizinhistorikers Prof. Dr. med. Axel Hinrich Murken. Bilderbücher sollen den Kindern die Angst vor dem Arzt nehmen. Das Modell eines Krankenzimmers, in dem ein krankes Kind liegt, Sanitätswagen vieler Länder und Zeiten, Rettungshubschrauber und anderes mehr ergänzen die Buchsammlung.

Bis Mitte November war eine Sonderausstellung dem Psychiater Heinrich Hoffmann (1809–1894) und seinem Geschöpf, dem Struwwelpeter, gewidmet. Hoffmann selbst wurde in seinen vielfältigen Begabungen und Aktivitäten gewürdigt: als Leiter des Senckenberg-Instituts in Frankfurt am Main, als langjähriger Chefarzt des damals sogenannten Irrenhauses in Frankfurt sowie als weltberühmter Kinderbuchautor. Sein Struwwelpeter-Buch, in dem er medizinische Syndrome wie zum Beispiel ADHS abhandelte (Zappelphilipp), erreichte fast 500 Auflagen in vielen Sprachen und erfuhr mannigfaltige Umdichtungen. Erstaunlich ist die internationale Ausstrahlung der Figur des Struwwelpeters, der in den Weltkriegen auf beiden Seiten der Front propagandistisch genutzt wurde. Auch heutige Künstler werden vom Struwwelpeter inspiriert. So taucht der zapplige Geselle jetzt als Comicheld wieder auf.

Ernst Wanner

Informationen

Bilderbuchmuseum Burg Wissem, Burgallee 1, 53840 Troisdorf, Telefon: 02241 8841-427 museum@troisdorf.de; www.burgwissem.de. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 11 bis 17 Uhr, montags geschlossen. Eintritt: Erwachsene 2,50 Euro, Kinder (vier bis 14 Jahre) ein Euro, Familientageskarte (Eltern mit drei und mehr Kindern) sieben Euro. Familientag: samstags freier Eintritt für Kinder in Begleitung Erwachsener. Verschiedene schön gestaltete Kataloge und Plakate sind im Museumsshop erhältlich.

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