ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1996Kunst als Geldanlage: Nur das Beste zum vernünftigen Preis

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Kunst als Geldanlage: Nur das Beste zum vernünftigen Preis

Metzger, Oskar

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LNSLNS Spektakuläre Auktionsergebnisse haben häufig die weitverbreitete Meinung entstehen lassen, daß mit Kunst generell Geld zu verdienen ist. Diese Pauschalisierung ist nach den Worten von Anita Kaegi von der Privatbank Grunelius in Frankfurt/Main falsch. Richtiger müsse es heißen, daß nur der Kauf ausgewählter Kunstwerke zum richtigen Zeitpunkt und zum richtigen Preis eine hervorragende Anlage sein könne.
Der Kauf von Kunst kann nach den Erfahrungen von Jörg-Michael Bertz vom Auktionshaus Christie’s in Düsseldorf allenfalls rückblickend als Geldanlage oder als Schaffung von Vermögenswerten betrachtet werden. Allerdings sei zu bedenken, "daß der Erwerb von Kunst in der Regel mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden ist und kaum präzise Aussagen über die zukünftige Preisentwicklung gemacht werden können". Für Robert Ketterer vom gleichnamigen Auktionshaus in München zeigt ein durchschnittlich gleichbleibend ansteigendes Wachstum des Marktes, "daß sich Kunst als Geldanlage lohnt".
Seit dem Ende der 60er Jahre expandierte der Kunstmarkt kontinuierlich. Einer sich ständig erweiternden Schicht von Privatsammlern, die durch eine Zeit des wirtschaftlichen Wachstums über die notwendigen finanziellen Mittel verfügte, stand ein sich verknappendes Angebot an ausgezeichnetem oder zumindest gutem Material gegenüber. Immer öfter stellten sich in den 80er Jahren Rekordpreise bei den Altmeistern, aber auch für Werke des Impressionismus und der klassischen Moderne ein.
"Daß diese Entwicklung nicht ewig andauern konnte", warnt Kaegi, "mußte jedem aufmerksamen Beobachter klarwerden." Eine Konsolidierung der Preise sei nur eine Frage der Zeit gewesen. Zur Verdeutlichung der Preiskorrekturen, von denen gesprochen werden müsse, wurde der Impressionistenmarkt unter die Lupe genommen. Einer haussierenden Preisentwicklung im Zeitraum von 1980 bis 1990 sei im November 1991 auf den Auktionen in New York und London eine jähe Konsolidierung mit Preiseinbrüchen bis zu 70 Prozent gefolgt. Dennoch lohnt sich nach den Beobachtungen von Isabella von Bethmann-Hollweg vom Auk- tionshaus Sotheby’s in Berlin die Kunst als Geldanlage dann, "wenn eine professionelle Beratung stattfindet". Das bestätigt auch Gert K. Nagel vom gleichnamigen Auktionshaus in Stuttgart für den Fall, "daß man gute, ausgefallene Objekte kauft".
Aufgrund von Geschmacksveränderungen verlagert sich das Interesse an Kunstwerken nach den Beobachtungen von Bertz ständig. Solch ein Wechsel der Sammelinteressen biete jedoch neuen Käufern große Chancen. Deutsche Impressionisten und Expressionisten würden sich beispielsweise zur Zeit großer Beliebtheit auf dem internationalen Markt erfreuen. Nach dem Dafürhalten von Ketterer gibt es kein "In" und "Out" in der Kunst, sondern höchstens qualitativ hochwertige Arbeiten eines bestimmten Künstlers zum vernünftigen Preis mit einem ebenso ordentlichen Provenienz-Nachweis. Damit sei ein Verkauf so gut wie gesichert. Wenn etwas "out" sei, "dann wohl das Massenangebot". Das Wichtigste sei, von einem bestimmten Künstler nur das Beste zum vernünftigen Preis zu kaufen.
Die Branche bestreitet vehement, daß eine Anlage in Kunstgegenständen nur etwas für Leute mit großem Geldbeutel sei. Auch mit kleinem Budget kann man nach den Erfahrungen von Sotheby’s antizyklisch vernünftig sammeln. Für Christie’s können beispielsweise Druckgraphiken und Zeichnungen moderner Kunst "selbst für den Käufer mit kleinem Budget erschwinglich sein". Voraussetzung ist für Nagel allerdings, daß man sich Kenntnisse aneignet oder einen hundertprozentig vertrauenswürdigen Lieferanten habe. Dafür gebe es beispielsweise die Battenberg-Preisbücher zur Orientierung.
Einsteiger sollten am Kunstmarkt, wie Sotheby’s warnt, nicht ohne fachmännische Beratung kaufen. Doch in jedem Fall sollten sie in Dinge investieren, die ihnen gefallen, da sie damit "immerhin die ästhetische Verzinsung haben". Für Christie’s sind Informationen über Anbieter und Angebote auf dem Kunstmarkt die Voraussetzung für einen Einstieg.
Ketterer gibt Einsteigern den Tip, auf Auktionen zu kaufen. Da sei die Kunst dieselbe wie auf Messen und in Galerien. Nur liege der Provisionssatz eines Versteigerers bei rund 20 Prozent zwischen Verkauf und Einkauf, während er bei Händlern jedoch bis auf 80 Prozent oder mehr steige. Oskar Metzger
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