ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2011Tumoren nach Organtransplantation: Das Krebsrisiko ist im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung verdoppelt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Tumoren nach Organtransplantation: Das Krebsrisiko ist im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung verdoppelt

Dtsch Arztebl 2011; 108(47): A-2547 / B-2132 / C-2104

Meyer, Rüdiger

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Empfänger von Nieren-, Leber-, Lungen- und Herztransplantaten haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an einem Malignom zu erkranken. Eine Kohortenstudie, für die Eric Engels vom US-National Cancer Institute in Bethesda die Daten von 175 732 Organempfängern mit 13 US-Krebsregistern abgeglichen hat, ermittelt eine standardisierte Inzidenzrate (SIR) von 2,10 (95-%-Konfidenzintervall 2,06–2,14). Empfänger der 4 wichtigsten Organtransplantate haben demnach ein zweifach erhöhtes Krebsrisiko.

Insgesamt 32 verschiedene Malignome traten bei den Organempfängern häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Darunter waren Krebserkrankungen mit einer infektiösen Genese wie das Analkarzinom (HPV) oder das Kaposi-Sarkom (HHV-8) sowie solche, die mit Infektionen in Verbindung gebracht werden wie Melanom oder Schilddrüsenkrebs. Am häufigsten traten Non-Hodgkin-Lymphome (n = 1 504) und Krebserkrankungen der Lunge (n = 1 344), Leber (n = 930) und der Niere (n = 752) auf. Auf sie entfielen 43 % aller Krebserkrankungen bei Organempfängern, der Anteil in der Allgemeinbevölkerung beträgt nur 21 %.

Das Risiko auf ein Non-Hodgkin-Lymphom war für die Empfänger aller 4 Organtypen erhöht. Sie erkranken 7-mal häufiger als die Allgemeinbevölkerung (SIR 7,54). Auf 100 000 Personenjahre kommen 168,3 zusätzliche Erkrankungen (EAR; für excess absolute risk). An Lungenkrebs erkranken in erster Linie Empfänger von Lungentransplantaten (SIR 1,97; EAR 85,3). Rauchen ist die wesentliche Ursache. Der Krebs tritt meist in der nichttransplantierten Lunge auf. Auch Empfänger von Niere, Leber und Herz haben ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Das Leberkrebsrisiko war nur bei Empfängern von Lebertransplantaten erhöht (SIR 11,56; EAR 109,6). Nierenzellkarzinome treten bei allen Organempfängern gehäuft auf (SIR 4,65; EAR 76,1). Bei den Nierentransplantaten wird dies mit zystischen Nierenerkrankungen in Verbindung gebracht, die nicht nur Ursache der Niereninsuffizienz sind, sondern auch das Krebsrisiko erhöhen.

Fazit: Die Inzidenz von Malignomen ist nach Organtransplantation verdoppelt, bei bestimmten Karzinomen wie Leber- und Nierentumoren ist das Risiko noch stärker erhöht. Die Immunsuppression der Abstoßungsprophylaxe gilt als Ursache. Sie begünstigt unter anderem Neuinfektionen mit onkogenen Viren und Reaktivierungen früherer Infektionen. Rüdiger Meyer

Engels EA, Pfeiffer RM, et al.: Spectrum of cancer risk among US solid organ transplant recipients. JAMA 2011; 306: 1891–901. MEDLINE

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