ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2011Ambulante Versorgung: Kaum noch Regresse

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Ambulante Versorgung: Kaum noch Regresse

Hillienhof, Arne

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Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr kündigt an, den Arztberuf wieder attraktiver zu machen.

Es wird in den nächsten zwei Jahren zu fast keinen Arznei- und Heilmittelregressen mehr kommen.“ Das sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) bei einem Werkstattgespräch mit dem Vorsitzenden des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN), Dr. med. Frank Bergmann, und dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, Dr. med. Dieter Potthoff, am 16. November in Aachen. Denn mit dem geplanten Versorgungsstrukturgesetz würden der Grundsatz „Beratung vor Regress“ gestärkt und die Anerkennung von Praxisbesonderheiten erleichtert.

Angesichts einer steigenden Morbidität in der Bevölkerung und sinkender Hausärztezahlen „haben wir ein wahnsinniges Versorgungsproblem“, warnte Potthoff. Es sei dringend notwendig, die Ärzte von fachfremden Aufgaben und Bürokratie zu entlasten. Außerdem müsse die Niederlassung, insbesondere als Hausarzt, wieder attraktiver werden. Bahr zufolge kann das geplante Versorgungsstrukturgesetz dies leisten, unter anderem, weil es für Ärzte in unterversorgten Regionen keine Mengenbegrenzung mehr vorsehe.

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Mehr ZNS-Erkrankungen

Bergmann begrüßte, dass die geplante Pflegereform zusätzliche Leistungen für Demenzkranke und deren Familien vorsehe. Er betonte aber, nicht nur die Demenz, sondern auch andere Erkrankungen des Gehirns wie Schlaganfälle, Depressionen und Parkinson seien auf dem Vormarsch. „Nach aktuellen Studien werden die ZNS-Erkrankungen vor Krebs- und Herzleiden die häufigsten und am stärksten belastenden Krankheiten für unser Gesundheitswesen sein“, sagte Bergmann. Er bezog sich damit auf eine Analyse der Universität Dresden. Der BVDN-Vorsitzende betonte die Notwendigkeit, alle an der Versorgung Beteiligten effektiver miteinander zu vernetzen. Dazu seien transparente Behandlungspfade für die verschiedenen Krankheiten wichtig. Diese sollten genau regeln, welche Akteure wann tätig werden und wohin sie die Patienten weiterleiten sollen. Solche auf die regionalen Verhältnisse abgestimmten Behandlungsketten sollten Hausärzte, niedergelassene Neurologen, Nervenärzte und Psychiater ebenso einschließen wie spezialisierte Krankenhausangebote, Pflegedienste und psychosoziale Beratungs- und Hilfsangebote.

Personelle Ressourcen nutzen

Wichtig sei, schwere Erkrankungen möglichst früh zu erkennen. Beim Verdacht auf eine solche Erkrankung sollten daher Fachärzte die einleitende Diagnostik und Therapie vornehmen. Danach könnten Hausärzte die Patienten über lange Zeit versorgen. Bei besonders schwierigen Fragestellungen sollten Fachärzte die Patienten an entsprechende Krankenhausabteilungen überweisen. Das stelle sicher, dass hochspezialisierte fachärztliche Expertise denjenigen Patienten zugutekomme, die diese wirklich benötigten. „Nur so können wir gewährleisten, dass die vorhandenen finanziellen und personellen Ressourcen effektiv genutzt werden“, betonte Bergmann.

Die Bedeutung einer vernetzten guten Zusammenarbeit betonten auch Prof. Ute Habel und Prof. Nicole Kurth, beide vom Uniklinikum Aachen. Die Klinik könne spezielles diagnostisches Know-how bieten. So werde es möglich, Demenzen und andere Erkrankungen möglichst früh zu erkennen.

Arne Hillienhof

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