ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2011Autobiografie: Endlich schlank
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Die titelgebende Holzbank steht auf einer Anhöhe über der Eifelstadt Gemünd, der Heimat des Autors dieser leicht belletristisch verfremdeten Lebensgeschichte. Als Schüler widerfuhr dem Autor auf der Bank die entscheidende Lebenswende. Der junge Mann war nämlich zu dick und wollte endlich schlank werden. Dann, so hoffte er, werde er in der Schule nicht mehr von Mitschülern und Lehrern gehänselt und auch beim schönen Geschlecht besser ankommen. Die Erlösung kam dank Gottes Hilfe und des festen Vorsatzes für ein straffes Ess- und Bewegungsprogramm – gefasst auf jener Holzbank. Die Therapie schlägt an. Hilfreich ist dabei auch die Abnabelung von der sanft klammernden Mutter. Die mit dem Essprogramm eingeübte eiserne Disziplin bewährt sich beim Studieren. Unser Held absolviert das Medizinstudium mit Bravour und macht als Arzt Karriere, bis hin zum Chefarzt einer Rehaklinik. Da kann er das selbst Erprobte sogar weiter- geben. Als er in späteren Lebensjahren Berufsstress und depressive Phasen mit Essen zu übertünchen versucht und wieder zunimmt, bewährt sich erneut die Holzbank. Das strikte Essprogramm wird nun ergänzt durch Lichtmahlzeiten mittels zweier 10 000-Lux-Lampen.

Die Lebensgeschichte ist brav erzählt und interessiert vor allem wegen der detailreich beschriebenen Selbsttherapie. Zum Vorschein kommen einmal die engen Lebensverhältnisse Mitte des letzten Jahrhunderts. Der Leser erkennt, dass Dickwerden erfolgreich bekämpft werden kann – um den Preis einer lebenslangen Disziplin. Peter Hilmend

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Bert Saurbier: Die wundersame Holzbank. Autobiographische Erzählung. WFB, Bad Schwartau 2011, 180 Seiten, kartoniert, 14,50 Euro

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