ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2011Ausserklinische Intensivpflege: Befriedigende Antworten für alle

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Ausserklinische Intensivpflege: Befriedigende Antworten für alle

Dtsch Arztebl 2011; 108(47): A-2553 / B-2137 / C-2109

Burgstett, Oliver Andreas

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Circa 2,3 Millionen Pflegefälle in Deutschland und Notstand in der Pflege mit Fachkräftemangel veranlassten Philipp Rösler vor einigen Monaten, 2011 als das „Jahr der Pflege“ auszurufen. Bei zunehmendem Kostendruck in der stationären Krankenversorgung werden auch die generell pflegebedürftigen Patienten früh aus dem Hospital entlassen – Patienten, die häufig Trachealkanülen als Langzeitbeatmung, PEG-Sonden zur Nahrungszufuhr und suprapubische Blasenkatheter mit nach Hause bringen. So sieht schnell das heimische Wohn- oder Schlafzimmer wie eine Intensivstation aus, was Fragen von überforderten Haus- und Fachärzten, ambulanten Pflegekräften und im besonderen Maß von pflegenden Angehörigen nach sich zieht, wie etwa zur allgemeinen Handhabe und Pflege bei Langzeitbeatmung.

Bücher zum Thema Intensivmedizin gibt es einige, aber diese richten sich meist nur an Ärzte und beziehen sich auf die Intensivtherapie im Krankenhaus. Zu pflegebedürftigen Patienten, die in ihre häusliche Umgebung entlassen werden und eine außerklinische Intensivpflege benötigen, gibt es allerdings nur wenig bis keine Fachliteratur.

Die Multidisziplinarität des Buches zeigt sich nicht nur bei den Herausgebern, sie sind Intensivmediziner aus Kardiologie, Neurologie und Pneumologie, sondern auch an der Vielschichtigkeit der Autoren: Hier kommen neben Ärzten auch Pfleger und Physiotherapeuten zum Zug. Deswegen richtet sich das Werk nicht nur an die (Haus-)Ärzte, sondern ebenso an ambulante Pflegedienste und stationäre Pflegeheime. Neben einer Vorstellung der üblichen Zugänge (mit Medikamentengabe) und Ableitungen der Ausscheidungen, inklusive der Handhabe beider, liegt der Hauptfokus auf der Einführung in die Langzeitbeatmung (unter anderem Umgang mit Trachealkanülen und Vermeidung von Aspirationspneumonien), aber auch Monitorisierung und Wundversorgung werden besprochen. Ein zentrales Kapitel mit 50 Seiten ist den akuten Erkrankungen und Komplikationen gewidmet. Hier werden dem Arzt konkrete Behandlungsvorgänge inklusive exakter Medikamentendosierung im Sinne eines Kochbuchrezepts vorgeschlagen, hieran kann sich aber auch die Pflege orientieren. Dabei ist die Intention der Herausgeber, den Leser für Alarmzeichen und unverzüglichen Handlungsbedarf zu sensibilisieren. Abgerundet wird die Darstellung durch einen Kurzeinblick in die Finanzierung der Pflege; juristische Aspekte werden angesprochen, thematisiert werden zudem Patientenwille, Angehörigenbetreuung und Behandlungsentscheidungen. Abschließend sind die mitgelieferten Checklisten und Formularvorschläge sicher hilfreich. Vermisst wird ein abschließendes Stichwortverzeichnis.

Da die Herausgeber schon seit Jahren Schulungen zur außerklinischen Intensivpflege veranstalten, war das Niederschreiben von deren Quintessenz nur folgerichtig. Nach zweijähriger Arbeit von der Idee bis zur Fertigstellung ist ein sehr empfehlenswertes Buch entstanden, welches nur eine ursprüngliche Zielsetzung verfehlte –nämlich die Gesamtseitenzahl auf 100 zu begrenzen. Oliver Andreas Burgstett

Frank Oehmichen, Marcus Pohl, Dirk Koschel (Hrsg.): Außerklinische Intensivpflege. Ein Leitfaden. Zuckschwerdt, München 2011, 178 Seiten, kartoniert, 29,90 Euro

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