ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2011Fallzahlzunahme: Mehr Einweisungen
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Danke für Ihren Kommentar zum „Mehr“ der Krankenhäuser.

Ein ganz zentraler Aspekt fehlt:

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Betrachte ich die Zahl meiner Krankenhauseinweisungen als hausärztlich tätiger Internist, hat diese in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Dazu tragen drei Aspekte bei:

1. Zieht man von den Quartalspauschalen, welche der Arzt der Grundversorgung erhält, den Kostenblock von circa 35 Euro ab, bleiben nur wenige Minuten bezahlte Arztzeit pro Patient und Monat. Zwangsweise muss ein Teil der ambulant möglichen Leistungen in den stationären Bereich verlagert werden. Dazu gehören beispielsweise Therapieintensivierungen bei kardialer oder pulmonaler Dekompensation, betreuungsaufwendige Behandlungen wie die Akutbehandlung von Nierenkoliken, Gallenkoliken o. ä. oder kompliziertere Stoffwechseleinstellungen, zum Beispiel bei Diabetes mellitus. Dass damit ein Vielfaches an Kosten produziert wird, nehmen die Kassen offensichtlich seit Jahren gerne in Kauf.

Bei sinkenden Arztzahlen nehmen die Patientenzahlen der Grundversorger seit Jahren zu, so dass die Kapazität für eine intensivere ambulante Patientenversorgung auch aus diesem Grund rückläufig ist.

2. Seit mehreren Jahren erhält der Arzt der Grundversorgung keine effektive Vergütung für Hausbesuche mehr. Die seit April 2011 eingeführte Mogelpackung, dass die Hausbesuche zwar vergütet werden, die dafür eingesetzten Beträge jedoch vorab von der Gesamtvergütung abgezogen werden, ändert an der Situation effektiv nichts. Statt instabile Patienten, zum Beispiel Herzinsuffiziente, engmaschig zu Hause betreuen zu können, ist die wirtschaftlich erzwungene Konsequenz der Einschränkung sinnvoller Hausbesuche eine stark angestiegene Einweisungsquote morbider Patienten. Gleichartiges gilt für Patienten aus betreuten Einrichtungen . . .

3. Für Facharzttermine gibt es teilweise Wartezeiten von Wochen bis Monaten. Mitschuldig daran sind wesentlich die Heilmittel- und Medikamentenbudgets, welche Patienten zwingen, sich mit dem gleichen Krankheitskomplex bei mehreren Ärzten vorzustellen, damit die notwendige und sinnvolle Therapie im erforderlichen Umfang ermöglicht wird (Rezept vom Hausarzt, Krankengymnastik vom Orthopäden, Antidepressivum von Neurologen . . .). Das Abrechnungssystem produziert (oder erzwingt) so die oft beklagte hohe Zahl von Arztkontakten deutscher Patienten. Um Patienten mit stärkeren Beschwerden eine zeitnahe Abklärung und Behandlung zu ermöglichen, bleibt dann oft nur die stationäre Einweisung.

Dr. med. Albrecht Seiler, 79730 Murg

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