ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2011MLP-Gesundheitsreport: Vertrauen in die Ärzte

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MLP-Gesundheitsreport: Vertrauen in die Ärzte

Osterloh, Falk

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Die Deutschen loben die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems. Gleichzeitig fürchten sie aber, dass es sich in den kommenden Jahren verschlechtern wird. Die Mehrzahl der Ärzte würde ihren Beruf trotz steigender Belastung wieder wählen.

Repräsentative Umfragen können bisweilen wertvolle Informationen über die Befindlichkeiten innerhalb eines Gesundheitssystems liefern. So hat vor kurzem eine Versichertenumfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ergeben, dass Patienten die Wartezeiten bei ihrem Arzt mitnichten als zu lang empfinden – ungeachtet mancher Äußerungen von Politikern und Kassenvertretern, die ein Problem zu langer Wartezeiten in Arztpraxen herbeireden wollten (DÄ, Heft 47/2011).

Eine neue Umfrage des Finanzdienstleisters MLP in Kooperation mit der Bundesärztekammer (BÄK) hat nun weitere Erkenntnisse geliefert. So sind die Deutschen mit der Leistungsfähigkeit ihres Gesundheitssystems zufrieden. „Seit vier Jahren steigt die Zufriedenheit auf hohem Niveau. Aktuell befinden 72 Prozent der Bürger das System für gut oder sehr gut“, erklärte Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, das den MLP-Gesundheitsreport 2011 erstellt hat, Ende November in Berlin. Die deutschen Ärzte beurteilen das Gesundheitssystem sogar zu 88 Prozent als gut oder sehr gut.

„Man müsste erwarten, dass angesichts einer solch positiven Beurteilung des Systems auch die Politik positiv bewertet wird. Dem ist aber nicht so“, sagte Köcher. So hätten 55 Prozent der Patienten und 72 Prozent der Ärzte keinen guten Eindruck von der Gesundheitspolitik.

In den kommenden zehn Jahren erwarten die Patienten unter anderem steigende Beiträge und erhöhte Zuzahlungen für Medikamente (Grafik). „Die Sorgen der Patienten, dass sich das Gesundheitssystem künftig verschlechtert, sind groß“, erklärte Köcher. Insofern werde die Gesundheitspolitik für die erwartete Verschlechterung des Systems in ihrer Bewertung bereits heute in Haft genommen.

Kopfzerbrechen bereitet deutschen Medizinern der Ärztemangel. 70 Prozent von ihnen sind der Ansicht, dass dieses Problem unterschätzt wird. Sorgen machen sich insbesondere Krankenhausärzte in ländlichen Gebieten: 78 Prozent sehen in ihrer Region einen Ärztemangel oder fürchten, dass es in den nächsten Jahren dazu kommt.

Die Pläne der Regierung, mit dem Versorgungsstrukturgesetz die flächendeckende Versorgung sicherzustellen, begrüßen die Ärzte, vor allem das Bestreben, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern (95 Prozent), die finanzielle Förderung von Praxen in unterversorgten Gebieten (82 Prozent) und die Regionalisierung der Bedarfsplanung (79 Prozent).

78 Prozent der befragten Ärzte sind der Ansicht, dass die Berufsbelastungen in den letzten Jahren gestiegen sind. Dennoch würde sich die große Mehrheit der Ärzte wieder für den Arztberuf entscheiden, 59 Prozent ganz bestimmt und 23 Prozent wahrscheinlich.

Behandlungen verschoben

Dass mehr als 70 Prozent der Bürger die Gesundheitsversorgung in Deutschland als positiv bewerteten, sei Ausdruck des Vertrauens der Menschen in ihre Ärzte, ihre Krankenhäuser und in die Pflegenden, kommentierte BÄK-Präsident Dr. med. Frank Ulrich Montgomery.

Er wies darauf hin, dass sich laut Gesundheitsreport viele Ärzte gezwungen sehen, eine Behandlung aus Kostengründen in das nächste Quartal zu verschieben: 16 Prozent häufig, 20 Prozent gelegentlich und 23 Prozent selten. Wenn die Mittel nicht dem Versorgungsbedarf angepasst werden könnten, so Montgomery, dann müsse sich die Politik über kurz oder lang der Priorisierungsdebatte stellen.

Falk Osterloh

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