ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2011Ärztechor und -orchester: Verdi als Medizin

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Ärztechor und -orchester: Verdi als Medizin

Dtsch Arztebl 2011; 108(48): A-2618 / B-2188 / C-2160

Klinkhammer, Gisela

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Mehrfach im Jahr führen der Deutsche Ärztechor, das Bayerische Ärzteorchester und das Deutsche Ärzteorchester große Benefizkonzerte auf.

Im fast ausverkauften Herkulessaal der Münchener Residenz führten der Deutsche Ärztechor und das Bayerische Ärzteorchester am 5. Juni Verdis Requiem auf. Foto: Matthias Wagner
Im fast ausverkauften Herkulessaal der Münchener Residenz führten der Deutsche Ärztechor und das Bayerische Ärzteorchester am 5. Juni Verdis Requiem auf. Foto: Matthias Wagner

Nein, Sie sind kein Hypochonder, wenn Sie an einem Abend über hundert Ärzte aufsuchen.“ Mit diesem Slogan warben der Deutsche Ärztechor und das Deutsche Ärzteorchester vor zwei Jahren für eine Aufführung des „Deutschen Requiems“ von Johannes Brahms. Und auch in den letzten beiden Jahren kamen „freiwillig“ zahlreiche Musikbegeisterte in die Ärzte-Konzerte. So begeisterten Chor und Orchester vor kurzem in Koblenz und Oberwesel mit Georg Friedrich Händels „Messias“ in der Mozartfassung. Zuvor hatten sie sich zu einer intensiven Probenwoche in Oberwesel zusammengefunden. „Dann steht eindeutig die Musik im Vordergrund. Viele Teilnehmer musizieren sogar außerhalb der offiziellen Proben. Und wenn Mediziner über den Tellerrand schauen, kommt das letztendlich nicht nur ihnen selbst, sondern auch ihren Patienten zugute,“ sagte der Vorsitzende des Chors, der Rosenheimer Dermatologe Dr. med. Matthias Wagner, dem Deutschen Ärzteblatt. Der Chor besteht aus mehr als 300 Ärztinnen und Ärzten sowie Angehörigen anderer Heilberufe. Teilnahmevoraussetzungen sind neben der Zugehörigkeit zu einem medizinischen Beruf langjährige Chorerfahrung sowie Kenntnis des jeweils aufzuführenden Werks.

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Erstmals war der Chor im Dezember 2007 zusammengekommen, um auf der Nordseeinsel Amrum Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium Kantaten 1–3 einzustudieren (dazu DÄ, Heft 26/2008). Ein Jahr später folgten die Kantaten 4–6. Im Mai führte der Chor gemeinsam mit dem Bayerischen Ärzteorchester (BÄO) unter dem Motto „Verdi als Medizin“ Giuseppe Verdis Requiem in Bamberg, Bayreuth und München auf. Anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Landauer Marienkirche folgte dort am 3. Oktober ein weiteres Konzert.

Konzerte für einen guten Zweck

Das Bayerische Ärzteorchester wurde im Jahr 1967 von Reinhard Steinberg in München gegründet, der damals im ersten Semester Medizin studierte. Einmal jährlich tritt es zu einer Probenwoche auf Schloss Craheim in Unterfranken zusammen und gibt anschließend Konzerte unter der Leitung seines Gründers, der inzwischen Professor der Psychiatrie ist und bis Ende November als Ärztlicher Direktor des Pfalzklinikums in Klingenmünster tätig war. Die Arbeitsphase wird durch Tutoren der Bamberger Symphoniker unterstützt, sie ist nach eigenen Angaben „Herzstück des Selbstverständnisses des BÄO“.

Das Deutsche Ärzteorchester, das mittlerweile mehr als 200 Musiker zählt, wurde vor 22 Jahren nach einem Aufruf im Deutschen Ärzteblatt ebenfalls in München gegründet. Der erste Dirigent des Orchesters war Dr. med. Dieter Pöller. Mit seiner musikalischen Bildung – er hatte unter anderem am späteren Richard-Strauss-Konservatorium in München studiert – legte er das Fundament für 15 erfolgreiche Dirigentenjahre. Inzwischen hat am Pult ein Generationenwechsel stattgefunden. Alexander Mottok, Jahrgang 1972, wurde zunächst Pöllers Assistent und dann sein Nachfolger als Chefdirigent des Orchesters. Mehrfach über das Jahr verteilt lädt es seine Mitglieder zu Proben- und Konzertprojekten ein.

Und eins liegt sowohl dem Chor als auch den Orchestern besonders am Herzen – der Benefizgedanke. Medizinstudenten werden unterstützt, ansonsten zahlen Sänger und Musiker Reise- und Unterbringungskosten aus eigener Tasche. So konnte beispielsweise der Reinerlös der diesjährigen Konzerte in Bayern dem Entwicklungshilfeprojekt des Bayerischen Roten Kreuzes in Benin sowie dem Dienst der Johanniter-Unfallhilfe „Lacrima – Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche“ zugutekommen.

Gisela Klinkhammer

@Weitere Informationen:
www.aerztechor.de
www.baeo.de
www.aerzteorchester.de

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