THEMEN DER ZEIT

Musikermedizin: Ein Fachgebiet mit einer rasanten Entwicklung

Dtsch Arztebl 2011; 108(49): A-2659 / B-2217 / C-2189

Spahn, Claudia; Schuppert, Maria; Möller, Helmut

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

An den meisten Musikhochschulen bestehen inzwischen eigene Lehrbereiche im Fach Musikphysiologie und Musikermedizin.

Bereits vor knapp 40 Jahren wurde in Deutschland der erste Lehrstuhl an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover eingerichtet, der sich aus medizinischer Sicht mit den physiologischen Grundlagen des Musizierens beschäftigte. Bis heute hat das Fachgebiet der Musikermedizin eine rasante Entwicklung erfahren. Die 1994 gegründete Deutsche Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin (www.dgfmm.org) hat derzeit circa 450 Mitglieder – Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen, Psychologen, Physiotherapeuten, Körper-, Atem- und Stimmtherapeuten, Instrumental- und Gesangspädagogen sowie Orchestermusiker. Die Fachgesellschaft veranstaltet jährlich Symposien sowie internationale Kongresse.

Mittlerweile bestehen an der Mehrzahl der deutschen Musikhochschulen eigene Lehrbereiche im Fach Musikphysiologie und Musikermedizin. Das Institut für Musikermedizin in Hannover und das 2005 in Kooperation von Musikhochschule und Universitätsklinikum gegründete Freiburger Institut für Musikermedizin unterhalten zusätzlich jeweils eine stark frequentierte Ambulanz. In jüngerer Zeit wurden auch an den Musikhochschulen in Dresden und Köln neue Lehrstühle geschaffen. Um den Besonderheiten der Tätigkeit des Musikers gerecht zu werden, sind spezifische präventive und therapeutische Maßnahmen erforderlich. Die Musikermedizin befasst sich außerdem mit instrumentenspezifischen ungünstigen ergonomischen Spielpositionen, präzisen Bewegungsanforderungen sowie hohem äußeren und inneren Leistungsdruck.

Die Ursprünge der heutigen musikermedizinischen Bewegung liegen in den USA. Schon in den 80er Jahren kristallisierten sich drei Bereiche heraus, die bei professionellen Instrumentalisten bis heute das Hauptbeschwerdespektrum abdecken: zentrale und periphere Störungen der Bewegungsabläufe, Auftrittsängste und Erschöpfung als Folge erheblicher Leistungsanforderungen sowie Einschränkungen des Gehörs nach jahrelanger Musikausübung. Bei Sängern bestehen in ähnlicher Weise funktionelle Stimmstörungen und Auftrittsängste.

Stand ursprünglich die medizinische Behandlung von Musikern im Mittelpunkt der Musikermedizin, so haben inzwischen Prävention und Gesund­heits­förder­ung einen immer größeren Stellenwert bekommen. Zum Thema Lampenfieber und Auftrittsangst kann in Deutschland und international auf eine langjährige wissenschaftliche und klinische Expertise zurückgegriffen werden (siehe nebenstehendes Interview mit Prof. Spahn). Den aktuellen Stand der Behandlungskonzepte in der Musikermedizin fasst ein im Herbst 2010 im Schattauer-Verlag erschienenes Standard-Lehrbuch zusammen.

Prof. Dr. med. Claudia Spahn
Prof. Dr. med. Maria Schuppert
Prof. Dr. med. Helmut Möller

Kontakt:
Prof. Dr. med. Dipl.-Mus. Claudia Spahn
Freiburger Institut für Musikermedizin
Hochschule für Musik und
Universitätsklinikum Freiburg
Breisacherstraße 60, 79106 Freiburg
claudia.spahn@uniklinik-freiburg.de

Anzeige

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige