ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2011Pädiatrie: Gezielte Hilfe für Geschwister chronisch kranker Kinder

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Pädiatrie: Gezielte Hilfe für Geschwister chronisch kranker Kinder

Vetter, Christine

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Mit dem Fragebogen „LARES Geschwisterkinder“ werden Belastungssituationen der gesunden Nachkommen erkennbar.

Mehr als zwei Millionen Kinder in Deutschland wachsen mit einem schwer chronisch kranken oder behinderten Geschwisterkind auf. Die Gesunden sind infolge dieser Situation nicht selten enormen Belastungen ausgesetzt: Sie erfahren weit weniger Aufmerksamkeit als das erkrankte Kind, und es lastet auf ihnen ständig der Druck, „funktionieren“ zu müssen, weil Bruder oder Schwester die Eltern stark fordern. Das kann erhebliche psychosoziale Folgen haben, Schulprobleme bedingen und sogar zu Depressionen führen.

Familiäre Situation abfragen

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Etwa ein Drittel der Geschwisterkinder eines chronisch kranken oder behinderten Kindes weisen laut Priv.-Doz. Dr. Dipl.-Psych. Michael Kusch, Institut für Gesund­heits­förder­ung und Versorgungsforschung, Bochum, entsprechende Auffälligkeiten auf. Das hat eine Erhebung bei 141 Eltern-Kind-Paaren ergeben, in der ein von der Initiative FamilienBande entwickeltes Screeninginstrument zur Identifizierung von Belastungen der betreffenden Kinder evaluiert wurde.

Es handelt sich um den Fragebogen „LARES Geschwisterkinder“, mit dessen Hilfe der Leidensgrad der Betroffenen ermittelt werden soll. Anhand von 15 Fragen, die sich um mögliche Probleme in der Schule, im Umgang mit Gleichaltrigen und in der Geschwisterbeziehung drehen und die das Krankheitswissen sowie die erlebte familiäre Situation abfragen, können hochbelastete Kinder identifiziert werden. Aus der Beantwortung ergeben sich zudem Hinweise auf gezielte Unterstützungsangebote.

Das Projekt LARES, benannt nach dem römischen Schutzgott der Familie, wurde gemeinsam mit Partnern und Wissenschaftlern aus dem Gesundheits-, Sozial- und Familienbereich von der Initiative FamilienBande entwickelt, die 2010 von der Novartis-Gruppe Deutschland ins Leben gerufen worden ist mit dem Ziel, die Öffentlichkeit für die Thematik zu sensibilisieren. Zum Angebot gehört neben Fragebögen für Eltern, Kinder und Jugendliche auch eine Info-Hotline.*

Die Fragebögen werden allen interessierten Einrichtungen aus dem medizinischen und sozialen Bereich verfügbar gemacht und können in der Anfangsphase über das Institut für Sozialmedizin in der Pädiatrie Augsburg (ISPA, Telefon 0821 4004921) als zentraler Anlaufstelle bezogen werden. Es empfiehlt sich allerdings, an einer Schulung zur Durchführung der Befragung und der anschließenden Beratung teilzunehmen, die auch online unter www.initiative-familienbande. de durchgeführt werden kann.

Dass das Thema ärztlicherseits auf großes Interesse stößt, hat eine von der Initiative in Auftrag gegebene Befragung ergeben. 93 Prozent der Pädiater und 40 Prozent der Allgemeinärzte haben erklärt, die Thematik der Geschwisterkinder sei in ihrer Praxis präsent. 85 Prozent der Kinderärzte sowie 80 Prozent der Allgemeinmediziner halten ein Instrument zur Früherkennung von Belastungssituationen bei den Geschwisterkindern für sinnvoll.

Christine Vetter

*Die Info-Hotline ist montags und dienstags von 12 bis 15 Uhr unter der Telefonnummer 01805 322633 zu erreichen oder per E-Mail unter info@initiative-familienbande.de.

@Weiterführende Informationen unter
www.initiative-familienbande.de.

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